Estland war für uns vor dieser Reise ein ziemlich großes Fragezeichen.
Tallinn kannten wir natürlich vom Namen. Wir wussten, dass Estland viel Natur hat und ziemlich digital sein soll. Aber wenn mich vorher jemand gefragt hätte, welche Orte wir dort unbedingt sehen wollen, wäre meine Liste ziemlich kurz gewesen.
Wissenswertes über Estland haben wir dabei fast jeden Tag ganz nebenbei entdeckt oft an Orten, von denen wir vorher noch nie gehört hatten.
Nach fast zwei Wochen sah das anders aus. Wir standen im Regen an einem Wasserfall, liefen über Holzstege durchs Moor, suchten im Wald nach Bibern, drehten für eine Burgruine einfach wieder um und standen plötzlich vor der Ruine eines Palmhauses. Und genau diese Mischung ist mir von Estland geblieben.
Was hat uns in Estland besonders überrascht? Vor allem, wie unterschiedlich die Orte auf relativ kurzer Strecke sein können: Wasserfälle und Moore, alte Burgruinen, kleine Städte, Nationalparks, Aussichtstürme und eine Steilküste an der Ostsee. Gerade die Orte, von denen wir vorher kaum oder gar nichts wussten, sind uns am Ende besonders im Kopf geblieben.
Deshalb wird das hier auch keine Liste mit „Sehenswürdigkeiten, die du unbedingt gesehen haben musst“. Es sind Orte, die wir selbst besucht haben und spannend fanden. Bei einigen habe ich erst hinterher nachgelesen, was eigentlich dahintersteckt. Und genau diese Mischung aus unseren Erlebnissen und ein bisschen Hintergrund Wissen möchte ich hier mit euch teilen.
Wenn du zuerst wissen möchtest, wie wir das Land insgesamt erlebt haben, mit Camper, Keisy, RMK-Plätzen, Schotterstraßen, Einkaufen und unserem ganz normalen Alltag unterwegs, findest du das in meinem Beitrag Estland mit dem Camper: Unsere Erfahrungen nach fast zwei Wochen.
Jetzt geht es aber noch einmal zurück zu den Orten.

Jägala-Wasserfall unser erster richtiger Stopp in Estland
Unser erster richtiger Ausflug in Estland begann natürlich so, wie man es sich nicht wünscht: mit Regen. Wir waren gerade erst mit der Fähre in Tallinn angekommen und hatten noch überhaupt kein Gefühl für das Land.
Trotzdem ging es zum Jägala-Wasserfall.
Und vielleicht war das schlechte Wetter sogar unser Glück, denn viel los war nicht.
Der Wasserfall ist knapp acht Meter hoch und mehr als 50 Meter breit. Damit ist er der breiteste natürliche Wasserfall Estlands.
Mehr über den Jägala-Wasserfall bei Visit Estonia
Aber ganz ehrlich: Wenn ich vor einem Wasserfall stehe, interessiert mich in diesem Moment erst einmal nicht, ob er sieben, acht oder neun Meter hoch ist.
Ich fand es einfach schön. Wir waren gerade in einem Land angekommen, über das wir kaum etwas wussten. Es regnete, kaum jemand war da und vor uns rauschte dieser Wasserfall.
Und dann stand am Parkplatz auch noch ein Kaffeeautomat.
Damals fanden wir das ziemlich ungewöhnlich. Ein paar Tage später wussten wir: Das sollte nicht der letzte Kaffeeautomat irgendwo an einem estnischen Parkplatz bleiben. So unspektakulär dieses Detail vielleicht klingt, genau solche kleinen Dinge bleiben bei mir von einem Land hängen.
Tulivee Vaatetorn manchmal reicht einfach die Aussicht
Nicht jeder Ort braucht eine riesige Geschichte.
Der Tulivee Vaatetorn war für uns genau so einer.
Parken, aussteigen, hochlaufen und oben erst einmal schauen.
Von dort hatten wir einen schönen Blick über die estnische Küste und die Ostsee. In der Nähe befindet sich außerdem ein Schmuggelmuseum. Das haben wir selbst allerdings nicht besucht, deshalb kann ich euch auch nicht erzählen, ob es sich lohnt.
Der Turm hat uns aber gefallen.
Überhaupt sollten uns während unserer Reise noch einige Aussichtstürme begegnen. Und obwohl Estland nun wirklich nicht für seine Berge bekannt ist, lohnt sich der Weg nach oben gerade deshalb. Von dort sieht man teilweise erst, wie unglaublich viel Grün eigentlich um einen herum ist.

Rakvere und über der Stadt die Burg Wesenberg
Rakvere empfanden wir als kleinen, schönen Ort. Irgendwie ruhig und überschaubar und genau das hat uns gefallen. Es war keiner dieser Orte, bei denen man von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten rennt. Wir konnten einfach ein bisschen durch die Stadt laufen und schauen.
Und dann steht oberhalb der Stadt diese Burg. Die Burg Rakvere ist im Deutschen auch als Wesenberg bekannt. Heute ist sie nicht einfach nur eine alte Ruine, die man von außen anschaut, sondern teilweise als Erlebnisburg gestaltet. Ihre Geschichte reicht bis ins Mittelalter zurück: Über Jahrhunderte wurde die Anlage immer wieder erweitert, wechselte ihre Herrscher und wurde während der Kriege des 16. und 17. Jahrhunderts schließlich schwer beschädigt.
Keine Sorge, ich erspare euch jetzt sämtliche Besitzerwechsel und Jahreszahlen. Gerade dieser Kontrast hat Rakvere für uns besonders gemacht: unten der kleine, ruhige Ort und darüber diese gewaltige alte Burganlage.
Es war wieder einer dieser Stopps, von denen wir vorher gar nicht so viel erwartet hatten und die uns gerade deshalb im Kopf geblieben sind. Genau solche Gegensätze sind uns in Estland immer wieder begegnet.
Man fährt durch einen Ort, schaut sich ein bisschen um und plötzlich steht irgendwo etwas, bei dem man automatisch wissen möchte: Was ist denn hier passiert?
Und genau deshalb blieb mir Rakvere im Kopf.

Der Biber Weg viele Spuren, kein Biber
Wenn irgendwo Biberweg steht, muss ich natürlich gucken. In meinem Kopf saß wahrscheinlich schon ein Biber direkt neben dem Wanderweg und wartete auf uns.
Spoiler: Kein Biber.
Der Oandu-Biberweg liegt im Lahemaa-Nationalpark und ist nur ungefähr einen Kilometer lang. Das Interessante sind vor allem die Spuren, die die Tiere hinterlassen: angenagte oder gefällte Bäume, Dämme und kleine Wege zum Wasser.
Und irgendwann läuft man tatsächlich anders durch den Wald.
Ist der Baum dort angenagt?
Ist das ein Biberdamm?
Hat sich da gerade etwas bewegt?
Nein. Wieder kein Biber. Trotzdem mochte ich den Weg. Er war kein riesiges Highlight und vielleicht hat er gerade deshalb so gut zu unserer Zeit in Estland gepasst. Man musste einfach ein bisschen genauer hinschauen.

Glehn Park in Tallinn Schloss, Palmhaus und Krokodil?
Vom Glehn Park hatten wir vorher noch nie gehört. Wir sind also ohne große Erwartungen hingefahren – und genau solche Orte überraschen uns meistens am meisten.
Schon beim Herumlaufen merkten wir schnell, dass das hier kein normaler Park ist. Mitten zwischen den Bäumen stehen ein Schloss, die Ruine eines Palmhauses, ein Observatorium und ziemlich ungewöhnliche Steinfiguren. Darunter auch ein Drache, der eher wie ein Krokodil aussieht und deshalb bis heute so genannt wird.
Hinter all dem steckt Nikolai von Glehn, der Ende des 19. Jahrhunderts begann, das Gelände nach seinen eigenen Vorstellungen zu gestalten. Er ließ nicht nur das Schloss bauen, sondern nach und nach auch weitere Gebäude und Figuren im Park errichten. Heute gehört das Gelände zum Landschaftsschutzgebiet Mustamäe und kann kostenlos besucht werden.
Mehr über den Glehn Park bei Visit Tallin
Besonders hängen geblieben ist mir das alte Palmhaus. Viel steht davon heute nicht mehr, aber gerade das fand ich interessant. Zwischen all dem Grün plötzlich vor diesen überwachsenen Mauern zu stehen, hatte schon ein bisschen Lost-Place-Atmosphäre.
Und dann läuft man ein Stück weiter und entdeckt schon wieder irgendetwas.
Genau deshalb hat uns der Glehn Park so gut gefallen. Man kommt nicht nur wegen einer Sehenswürdigkeit hierher, sondern kann einfach durch den Wald laufen und nach und nach entdecken, was dort überall versteckt steht.
Für uns war das wieder so ein Ort, von dem wir vorher nichts erwartet hatten, und über den wir hinterher noch gesprochen haben.
Solche ungeplanten Entdeckungen waren am Ende mit das Schönste an Estland.






Tartu nach all der Ruhe plötzlich wieder Stadt Leben
Nach viel Wald, kleinen Orten und ziemlich viel Ruhe kamen wir nach Tartu.
Und das fühlte sich direkt anders an.
Mehr Menschen. Mehr Leben. Cafés. Stadt.
Tartu ist Estlands zweitgrößte Stadt und vor allem als Universitätsstadt bekannt.
Aber ich würde Tartu gar nicht auf eine einzelne Sehenswürdigkeit reduzieren.
Uns gefiel eher die Stadt als Ganzes.
Einfach durch die Straßen laufen, Gebäude anschauen, Menschen beobachten und zwischendurch irgendwo stehen bleiben. Es gibt einen schönen Park, eine tolle Altstadt und vieles mehr.
Nach mehreren Tagen zwischen Natur und kleinen Orten war das eine schöne Abwechslung. Und gleichzeitig wieder der Beweis:
Estland kann eben nicht nur Wald, Moor und Schotterstraße.






Burgruine Laiuse einmal wenden bitte
Die Burgruine Laiuse, auf Deutsch auch Burg Lais, war überhaupt nicht geplant. Wir fuhren daran vorbei. Ich sah die Ruine. Kurz überlegt. Einmal umdrehen.
Und genau solche Stopps bleiben mir am Ende oft stärker im Gedächtnis als Dinge, die ich Wochen vorher auf Google Maps gespeichert habe. Die Anlage stammt aus dem Mittelalter. Viel mehr Geschichte brauche ich an dieser Stelle aber eigentlich gar nicht.
Wir liefen zwischen den alten Mauern herum und versuchten uns vorzustellen, wie der Ort früher wohl ausgesehen hat. Und wären wir im richtigen Moment nicht aus dem Fenster geschaut, wären wir wahrscheinlich einfach daran vorbeigefahren.
Genau das liebe ich am Reisen mit dem Camper: Nicht jeder Stopp muss morgens schon feststehen.

Valgesoo-Studienpfad über Holzstege durchs Moor
Eine Landschaft gehört für mich inzwischen ziemlich fest zu Estland:
Moor. Beim Valgesoo-Studienpfad kann man genau diese Landschaft ziemlich unkompliziert erleben. Der Rundweg ist etwa 1,8 Kilometer lang. Rund 1,6 Kilometer davon verlaufen auf einem Holzsteg durch beziehungsweise entlang der Moorlandschaft.
Ich mag solche Wege sowieso.
Links Moor. Rechts Moor. Unter einem eine Landschaft, durch die man normalerweise überhaupt nicht laufen könnte. Und vor einem einfach dieser schmale Weg.Es ist kein Ort, der laut schreit: „DAS MUSST DU GESEHEN HABEN!“ Und genau das meine ich positiv. Man läuft. Es ist ruhig. Man schaut. Man bleibt mal stehen.
Was den Ort für uns zusätzlich richtig angenehm gemacht hat, war der RMK-Platz direkt am Studienpfad. Es gibt einen Parkplatz, Toiletten, einen Grillplatz und mehrere Sitzmöglichkeiten. Eigentlich alles, was man für eine Pause mitten in der Natur braucht.
Und wie wir es bei vielen RMK-Plätzen in Estland erlebt haben, war auch hier alles sehr gepflegt. Gerade mit dem Camper fanden wir solche Orte richtig praktisch: ankommen, parken und direkt loslaufen, ohne erst lange nach einem Ausgangspunkt oder Parkplatz suchen zu müssen.
Wer den Valgesoo-Studienpfad besucht, kann hier also nicht nur schnell eine Runde durchs Moor laufen, sondern auch einfach noch etwas bleiben, eine Pause machen und die Ruhe genießen.
Genau diese Kombination aus Natur und unkomplizierter Infrastruktur hat uns an den RMK-Plätzen in Estland so gut gefallen.
Estland muss irgendwie nicht ständig laut sein, um interessant zu sein.






Karula-Nationalpark Estland wird plötzlich hügelig
Nach so vielen Wochen in Skandinavien hatten wir natürlich schon einige Wälder und Seen gesehen. In [Schweden] fing unsere Reise durch den Norden so richtig an, [Norwegen] hat uns landschaftlich immer wieder umgehauen und danach ging es für uns weiter durch die Wälder und Seen [Finnlands].
Trotzdem waren wir gespannt, wie sich Estlands Natur davon unterscheidet – und wollten uns natürlich auch den Karula-Nationalpark anschauen.direkt aufgefallen ist: Estland wurde plötzlich hügeliger.
Karula ist mit rund 123 Quadratkilometern der kleinste Nationalpark Estlands und gleichzeitig der hügeligste. Zwischen den vielen bewaldeten Hügeln liegen kleine Seen, Moore und Wiesen. Insgesamt gibt es im Nationalpark sogar 40 Seen.
Vor Ort waren diese Zahlen für uns aber eigentlich nebensächlich.
Wir wollten raus, ein bisschen laufen und uns die Gegend anschauen. Und dafür war Karula genau richtig. Was uns besonders gefallen hat, war die Ruhe. Keine Menschenmassen, kein großes „Hier ist jetzt die Sehenswürdigkeit“-Gefühl und auch nichts, wofür man irgendwo Schlange stehen muss. Einfach parken, loslaufen und Natur. Nach Norwegen und Finnland ist es natürlich schwer, uns mit einem weiteren Wald komplett umzuhauen. Aber das musste Karula auch gar nicht.
Gerade die hügelige Landschaft hat sich noch einmal anders angefühlt als viele andere Gegenden, die wir bis dahin in Estland gesehen hatten.Und manchmal braucht es eben gar kein riesiges Highlight.
Ein schöner Weg, Ruhe und Keisy, die wieder genug zu schnüffeln hatte, reichen auch.

Türisalu Cliff Moment mal, Estland hat solche Steilküsten?
Estland hatten wir bis dahin vor allem als ziemlich flach abgespeichert. Viel Wald, Moore, Seen und zwischendurch immer wieder kleine Orte. Und dann standen wir am Türisalu Cliff. Plötzlich ging es direkt vor uns steil Richtung Ostsee hinunter. Damit hatten wir tatsächlich nicht gerechnet.
Diesmal spielte auch das Wetter mit. Blauer Himmel, Sonne und freie Sicht aufs Meer, nach unserem teilweise doch ziemlich wechselhaften Wetter in Estland haben wir das natürlich gerne mitgenommen.
Oben an der Steilküste kann man nicht nur kurz die Aussicht genießen. Es führen auch Wanderwege entlang der Küste und durch die Umgebung, sodass man hier problemlos etwas länger bleiben und die Gegend zu Fuß erkunden kann.
Genau das hat uns dort gefallen. Nicht nur kurz aussteigen, Foto machen und wieder weiterfahren, sondern einfach ein Stück laufen, zwischendurch aufs Meer schauen und das schöne Wetter genießen. Nach all den Wäldern und Moorlandschaften war die Steilküste noch einmal eine komplett andere Seite von Estland.
Und obwohl wir auf unserer Reise inzwischen wirklich viel Ostsee gesehen hatten, wird Meer irgendwie trotzdem nicht langweilig. Nur an der Abbruchkante sollte man ein bisschen aufpassen. Für das perfekte Foto muss wirklich niemand ausprobieren, wie nah man an 30 Meter Steilküste herankommt.
Für uns war Türisalu einer dieser Orte, an denen aus einem kurzen Stopp schnell ein längerer Spaziergang wurde.

Warum stehen in Estland eigentlich so viele große Schaukeln?
Neben all den großen und kleinen Orten gab es auch Dinge, die uns erst nach ein paar Tagen bewusst aufgefallen sind.
Dazu gehörten die großen Holzschaukeln, die wir immer wieder gesehen haben. Teilweise waren sie so groß, dass mehrere Personen gleichzeitig darauf schaukeln können. Was für uns zuerst einfach nach einer ungewöhnlich großen Schaukel aussah, hat in Estland tatsächlich Tradition. Solche Dorfschaukeln waren früher Orte, an denen Menschen zusammenkamen, gemeinsam Zeit verbrachten, sangen und feierten.
Und Estland wäre offenbar nicht Estland, wenn man das Schaukeln nicht irgendwann noch etwas weitergetrieben hätte. Hier entstand Kiiking: eine Sportart mit speziellen Schaukeln, bei der man versucht, sich einmal komplett um die Achse zu drehen.
360 Grad auf einer Schaukel.
Ich bleibe dann doch lieber beim Zuschauen. Solche Kleinigkeiten finde ich auf Reisen fast genauso spannend wie die bekannten Sehenswürdigkeiten. Man sieht etwas immer wieder, denkt sich zunächst nichts dabei, und erfährt irgendwann, dass viel mehr dahintersteckt.
Die Ruinen, die auf keiner Sehenswürdigkeiten-Liste stehen
Burgruinen wie Laiuse kann man auf einer Karte finden.
Was mir von Estland aber mindestens genauso im Kopf geblieben ist, sind die anderen verlassenen Gebäude. Häuser, an denen wir einfach vorbeigefahren sind.
Gebäude, aus denen bereits Pflanzen wuchsen. Orte, bei denen man ziemlich deutlich sehen konnte, wie sich die Natur langsam ihren Platz zurückholt.
An einer Stelle waren sogar alte Parkflächen, die vor einigen Jahren noch genutzt wurden, inzwischen teilweise wieder zugewachsen. Und genau das fand ich faszinierend.
Ich brauche bei solchen Orten auch nicht immer die komplette Geschichte.
Manchmal reicht mir die Frage: Wie sah das hier wohl einmal aus?
Natürlich hat Estland eine bewegte Vergangenheit. Trotzdem würde ich nicht jedes verlassene Gebäude automatisch mit Krieg oder der sowjetischen Zeit erklären. Bei vielen wissen wir schlicht nicht, warum sie heute leer stehen.
Für uns waren sie erst einmal das, was wir mit eigenen Augen gesehen haben: ein Teil der Landschaft.
Und manchmal einer, für den wir langsamer gefahren sind, obwohl er in keinem Reiseführer stand.






Aussichtstürme irgendwann sind wir trotzdem jeden hochgelaufen
Was für mich inzwischen auch ziemlich fest zu Estland gehört, sind die vielen Aussichts- und Vogelbeobachtungstürme.
Gerade in der Natur standen immer wieder kleinere Beobachtungstürme, von denen man über Wälder, Seen oder Moorlandschaften schauen konnte. Und dann gab es die größeren Aussichtstürme.
Manche davon waren allerdings definitiv nichts für schwache Nerven.
Teilweise bestehen die Plattformen und Treppen nur aus Gittern, durch die man bis nach unten schauen kann. Eigentlich überhaupt nichts für mich.
Aber wenn man schon einmal da ist, muss man natürlich trotzdem hoch.
Also laufe ich die Treppen hoch, versuche möglichst wenig nach unten zu schauen und halte mich oben einfach besonders doll fest.
Gelohnt hat es sich bisher trotzdem jedes Mal. Gerade weil Estland vielerorts so flach ist, bekommt man von oben noch einmal einen ganz anderen Eindruck von der Landschaft. Plötzlich sieht man, wie weit sich die Wälder ziehen, dazwischen Seen, Moore und kleine Straßen und manchmal gefühlt einfach nur Natur bis zum Horizont.
Was wir außerdem richtig gut fanden: Die Aussichtstürme, die wir besucht haben, konnten wir kostenlos nutzen. Kein Kassenhäuschen, kein Eintritt, einfach hingehen und hochlaufen.
Nach Deutschland waren wir das teilweise anders gewohnt, denn dort muss man für manche Aussichtstürme erst einmal Eintritt bezahlen.
Ich hoffe wirklich, dass sich Estland und die anderen Länder, die wir auf unserer Reise kennengelernt haben, diese unkomplizierte Art noch lange bewahren.
Wer mit Hund unterwegs ist, sollte allerdings aufpassen: Bei einigen Aussichtstürmen waren Hunde nicht erlaubt. Keisy konnte deshalb nicht überall mit nach oben. Die Schilder vor Ort sollte man also lieber einmal mehr anschauen, bevor man gemeinsam die Treppen hochläuft.






Vielleicht muss ein Ort gar nicht spektakulär sein, damit man sich später an ihn erinnert
Wenn ich heute an Estland denke, passt dieser Satz für mich ziemlich gut.
Denn es gibt nicht die eine Sehenswürdigkeit, die unsere Reise ausgemacht hat.
Es waren viele kleine Dinge.
Was uns von Estland wirklich im Kopf geblieben ist
Wenn ich jetzt an unsere Zeit in Estland zurückdenke, fällt mir gar nicht dieses eine große Highlight ein.
Ich denke eher an den Jägala-Wasserfall, an dem wir gleich zu Beginn im Regen standen. An unsere erfolglose Bibersuche. An das alte Palmhaus mitten im Wald und an die Burgruine, die wir nur entdeckt haben, weil wir im richtigen Moment aus dem Fenster geschaut haben und natürlich noch einmal umdrehen mussten.
Ich denke an die vielen Wälder, Moore und Holzstege. An Aussichtstürme, auf die ich trotz meiner Höhenangst immer wieder hochgeklettert bin und mich oben dann besonders gut festgehalten habe. An verlassene Häuser, bei denen wir uns während der Fahrt gefragt haben, welche Geschichte wohl dahintersteckt.
Und genau das ist wahrscheinlich das, was Estland für uns ausgemacht hat.
Wir wussten vorher einfach nicht so richtig, was uns erwartet.
Vielleicht hat uns das Land gerade deshalb so oft überrascht.
Wir mussten nicht jeden Morgen zu irgendeinem bekannten Highlight fahren.
Oft waren es die Sachen unterwegs, bei denen einer von uns gesagt hat:
„Warte mal. Was ist das denn da?“
Und dann wurde angehalten, umgedreht oder spontan der nächste Parkplatz gesucht.
Wenn wir noch einmal nach Estland fahren und das würde ich wirklich gerne, würde ich deshalb auch gar nicht viel mehr planen. Ein paar Orte speichern, ja. Aber dazwischen genug Platz lassen für alles, was man vorher eben nicht auf Google Maps gespeichert hat. Denn genau diese ungeplanten Stopps sind am Ende erstaunlich oft die, über die wir später noch sprechen.

Unsere Reise ist vorbei die Geschichten noch lange nicht
Während ich diesen Beitrag fertig schreibe, sind wir längst wieder in Deutschland.
Irgendwie komisch, aber auch echt toll wenn man gerade noch einmal durch die ganzen Estland-Fotos geht und gedanklich wieder zwischen Mooren, Burgruinen und Aussichtstürmen unterwegs ist.
Auf dem Blog ist unsere Reise aber noch lange nicht zu Ende.
Nach Estland fehlen schließlich noch Lettland, Litauen und Polen und aus den letzten Monaten habe ich noch einige Geschichten, Erfahrungen und Fotos, die ich unbedingt mit euch teilen möchte.
Denn gerade wenn eine Reise vorbei ist, merkt man manchmal erst, welche Momente eigentlich hängen geblieben sind.
Deshalb reisen wir hier auf dem Blog noch ein bisschen weiter, auch wenn Hektor inzwischen wieder in Deutschland steht. Und danach wird sich hier tatsächlich einiges verändern.
Reisen wird ein Teil dieser Seite bleiben. Dafür steckt inzwischen viel zu viel von uns und unserer Reise hier drin. Gleichzeitig beginnt für mich gerade ein neuer Abschnitt und auch der soll hier seinen Platz bekommen.
Aber eins nach dem anderen.
Als Nächstes geht es auf dem Blog erst einmal nach Lettland.
Und sagen wir mal so: Estland und Lettland liegen direkt nebeneinander für uns haben sie sich trotzdem ziemlich unterschiedlich angefühlt. 🙂

Danke, dass du auch heute wieder dabei warst
Wenn du bis hierher gelesen hast, möchte ich dir einfach Danke sagen.
Danke, dass du dir auch heute wieder die Zeit genommen hast, meinen Blog zu lesen und ein Stück unserer Reise mit uns zu erleben.
Ich weiß, wie kostbar Zeit ist. Umso weniger selbstverständlich ist es für mich, dass du einen Teil davon hier verbringst. Danke von Herzen für deinen Support, fürs Lesen und dafür, dass du meinen Blog begleitest. Gerade jetzt, wo unsere Reise erst einmal vorbei ist, bedeutet es mir umso mehr, die ganzen Erlebnisse noch einmal mit euch teilen zu können.
Und jetzt würde mich wirklich interessieren:
Was hat dir an diesem Beitrag am besten gefallen? Gab es einen Ort oder eine Geschichte, die dir besonders im Kopf geblieben ist?
Schreib es mir gerne in die Kommentare. Ich freue mich wirklich darüber, zu erfahren, was bei euch beim Lesen hängen bleibt.
Liebe Grüße
Jacki

