Was erwartet uns eigentlich in Estland?
Ehrliche Antwort: Wir hatten keine Ahnung.
Nach Monaten in Skandinavien ging es mit unserem Camper und Keisy von Helsinki auf die Fähre nach Tallinn. Vor uns lag ein Land, über das wir vorher erstaunlich wenig wussten.
Unsere Reise durch den Norden hatte einige Monate zuvor in Schweden begonnen. Wenn du noch einmal zurückspringen möchtest, findest du hier unseren letzten Beitrag aus Schweden.
Fast zwei Wochen später hatten wir über Schotterpisten geflucht, mitten im Wald geschlafen, einen See gesehen, der eher wie ein Meer aussieht, spontan für eine Burgruine umgedreht, Quarkriegel getestet, Lieferroboter beobachtet und festgestellt, dass selbst in einem der digitalsten Länder Europas ein bisschen Bargeld manchmal ziemlich praktisch ist.
Und irgendwo zwischen alten Ruinen, bunten Holzhäusern, Nationalparks und der Ostsee kam die Erkenntnis: Estland hatten wir ziemlich unterschätzt.
„Estland wirkt manchmal wie gestern und morgen gleichzeitig: alte Ruinen und Lieferroboter, bunte Holzhäuser und digitaler Alltag, rumpelige Schotterpisten und perfekt gepflegte Waldplätze und dazwischen ganz viel Ruhe.“
In diesem Beitrag nehme ich dich mit durch unsere knapp zwei Wochen Estland mit dem Camper, mit den Orten, die uns besonders gefallen haben, unserem ganz normalen Reisealltag und den Dingen, die uns überrascht, begeistert und manchmal auch genervt haben.
Die kompletten Kosten fehlen diesmal ganz bewusst. Die rechnen ich nach Estland, Lettland und Litauen gemeinsam ab. Dann können wir wirklich vergleichen, was eine Reise durchs Baltikum kostet und welches der drei Länder uns am Ende am besten gefallen hat.

In diesem Beitrag
- Mit der Fähre von Finnland nach Estland
- Angekommen in Estland
- Orte, die uns überrascht haben
- Der Peipussee – ist das wirklich noch ein See?
- Mit dem Camper & RMK-Plätze
- Schotterstraßen & Autofahren
- Einkaufen, Essen & Pfand
- Digital und trotzdem manchmal ganz analog
- Menschen und Alltag in Estland: unsere persönlichen Eindrücke
- Unser Alltag unterwegs
- Unser Fazit nach fast zwei Wochen
- FAQ: Estland mit dem Camper

Mit der Fähre von Finnland nach Estland
Keisy durfte mit
Von Helsinki ging es mit der Viking XPRS nach Tallinn. Für uns war bei der Wahl der Fähre vor allem ein Punkt entscheidend: Keisy sollte mit uns an Bord dürfen und nicht während der Überfahrt allein im Camper oder in einem Käfig bleiben müssen.
Das Schiff selbst hat uns erst einmal überrascht. Es fühlte sich eher wie ein kleines Kreuzfahrtschiff als wie eine einfache Autofähre an. Unmengen an Autos passten hinein und Menschen offensichtlich auch.
Denn an Bord war es ordentlich voll.
Noch vor Mittag gab es für uns erst einmal Burger mit Pommes. Frühstück und so.
Man muss schließlich Prioritäten setzen.
Es gab ausgewiesene Bereiche für Reisende mit Hund, allerdings saßen dort bei unserer Überfahrt nur Menschen ohne Hund. Also haben wir es pragmatisch gelöst und uns einfach mit unter die anderen Passagiere gesetzt. Eine Frau ließ uns mit Keisy mit an ihren Tisch sitzen, Problem gelöst.
In Tallinn angekommen, verlief die Weiterfahrt vollkommen unkompliziert. Und Estland begrüßte uns erst einmal mit: Regen. Natürlich :).

Angekommen in Estland
und direkt die erste Abzweigung
Schon auf den ersten Kilometern mussten wir uns wieder umgewöhnen. Nach Finnland kamen uns einige Straßenschilder deutlich kleiner vor. Manche Abzweigungen tauchten für unser Empfinden ziemlich plötzlich auf.
Wenn du auf einer schnelleren Straße unterwegs bist und dein Navi sagt „Hier rechts“, während du innerlich noch denkst „Welches rechts?!“, bist du manchmal eben schon vorbei. Das sollte uns in Estland noch häufiger passieren.
Unser erster richtiger Stopp war der Jägala-Wasserfall.
Es regnete noch immer, was in diesem Fall sogar einen Vorteil hatte: Es waren kaum Menschen da.
Also Regenjacke an und los.
Direkt am Parkplatz wartete die erste kleine estnische Überraschung: ein Kaffeeautomat. Die sollten wir später tatsächlich noch häufiger an Parkplätzen und Ausflugszielen entdecken.
Danach ging es unter anderem weiter zu einem Wanderweg mit Höhlen bzw. ehemaligen Anlagen, in die wir teilweise hineingehen konnten, und später zum Park rund um Schloss Katharinental.

Wie hundefreundlich ist Estland?
Gerade im Park rund um Schloss Katharinental habe ich mich zum ersten Mal ernsthaft gefragt, wie hundefreundlich Estland wohl sein würde. Der Park selbst war wunderschön gepflegt: viele Wege, Sitzmöglichkeiten und Mülleimer für einen längeren Spaziergang mit Keisy wirklich angenehm.
In den Schlossgarten und den Bonsaigarten durften Hunde allerdings nicht hinein. Insgesamt blieb das für uns eher eine einzelne Einschränkung. Gerade in der Natur konnten wir mit Keisy sehr viel unternehmen.
Unsere erste Nacht verbrachten wir anschließend auf einem Campingplatz direkt an der Küste. Für 30 Euro konnten wir dort alles erledigen, was beim Camperleben irgendwann anfällt.
Und Keisy machte dort direkt Bekanntschaft mit der estnischen Tierwelt: Ein riesiger Frosch sprang sie an. Keisy fand es weniger lustig als wir.

Wir haben viel mehr gesehen, als wir vorher erwartet hatten
Mal war es ein Aussichtsturm, mal ein winziger Ort, ein buntes Holzhaus, eine Ruine am Straßenrand oder einfach ein Wanderweg, auf dem plötzlich niemand mehr zu sehen war.
Der Tulivee-Aussichtsturm mit Blick auf die Ostsee hat uns beispielsweise richtig gut gefallen. Dort gibt es auch ein Schmuggelmuseum, das haben wir allerdings nicht besucht. Auch Rakvere war so ein kleines, schönes Örtchen, das uns gefallen hat.
Und davon gab es erstaunlich viele. Wir könnten hier jeden einzelnen Stopp aufzählen. Aber dann liest du vermutlich morgen noch. Deshalb bekommen unsere sehenswerten Orte und einige ihrer Geschichten noch einmal ihren eigenen Platz.

Die Burg stand überhaupt nicht auf unserem Plan
Genau solche Stopps mag ich inzwischen fast am liebsten: Wir hatten die Burgruine Laiuse überhaupt nicht auf dem Plan. Wir haben sie einfach beim Fahren gesehen.
Also kurz überlegt und natürlich umgedreht. 😉 Wenn wir schon einmal da sind, können wir doch nicht einfach vorbeifahren.
Überhaupt begegneten uns viele Ruinen, verlassene Gebäude und Häuser, die langsam zerfallen. Teilweise wuchsen bereits Bäume aus ihnen heraus. An einem anderen verlassenen Ort konnten wir richtig sehen, wie schnell sich die Natur ihren Platz zurückholt. Ehemalige Parkbuchten waren teilweise schon wieder völlig zugewachsen.
Die Geschichten hinter einigen dieser Orte sind so interessant, dass ich sie hier bewusst nicht zwischen Quarkriegel und Schotterstraße quetschen möchte. Estlands Ruinen, Geschichte und besondere Orte bekommen noch einen eigenen Beitrag.

Gleni Park, Palmhaus
Sehr gut gefallen hat uns auch der Gleni Park in Nõmme. Palmhaus, ungewöhnliche Figuren, Schloss und viel Grün und dazu konnten wir kostenlos parken und uns alles in Ruhe ansehen.
Überhaupt waren viele Parks und öffentliche Anlagen, die wir besucht haben, erstaunlich gepflegt. Immer wieder standen dort außerdem große Schaukeln oder Hollywoodschaukeln.
Erst später habe ich gelernt, dass Schaukeln in Estland kulturell tatsächlich eine besondere Rolle spielen. Manchmal versteht man Dinge eben erst, nachdem man sie zehnmal gesehen hat.

Der Peipussee: „Das soll ein See sein?!
Dann kam der Peipussee. Und ganz ehrlich: Wenn du dort am Ufer stehst, könnte dir auch jemand erzählen, du schaust aufs Meer. Wir konnten auf die andere Seite jedenfalls nicht schauen.
Kein Wunder: Der Peipussee gehört zu den größten Seen Europas. Das Peipus-Pihkva-Seensystem umfasst rund 3.500 km²; durch das Gewässer verläuft ein Teil der Grenze zwischen Estland und Russland.
Wir haben uns mehrere Orte an dem See angesehen, darunter auch das kleine Nina. Kein Ort, für den wahrscheinlich jeder einen ganzen Urlaub planen würde. Aber genau diese kleinen Orte mochte ich in Estland: still, überschaubar und irgendwie schön.

Mit dem Camper in Estland: Die RMK-Plätze waren für uns richtig praktisch
Wenn wir eine Sache Camper reisenden in Estland empfehlen können, dann: Schaut euch die RMK-Plätze an.
Wir haben während unserer Reise immer wieder Natur- und Wanderplätze des staatlichen Forst- und Naturmanagements angesteuert. Unsere Erfahrungen waren wirklich gut.
Je nach Platz fanden wir dort:
Parkmöglichkeiten direkt am Wandergebiet
ausgeschilderte Wanderwege
Feuer- und Grillstellen
bereitgestelltes Holz
Trockentoiletten
teilweise sogar Toilettenpapier
Sitzmöglichkeiten
Ja, über Toilettenpapier freut man sich nach einigen Monaten Camperreise plötzlich mehr, als man öffentlich zugeben möchte.
Wir konnten morgens teilweise praktisch aus dem Camper steigen und direkt loswandern. Unter anderem waren wir im Karula-Nationalpark, dem kleinsten der sechs Nationalparks Estlands, und am Valgesoo-Wanderweg. Wenn wir in Nationalparks oder an abgelegenen Stränden unterwegs waren, trafen wir manchmal kaum jemanden.

Unterwegs in Estland: Schotterstraßen, Autofahren und überraschend viel Natur
Bis zu den schönen Naturplätzen musste man allerdings erst einmal kommen. Und das bedeutete nicht selten: Schotter. Rumpel, rumpel, rumpel.
Einige Straßen waren völlig in Ordnung, andere hatten Löcher und wurden nach Regen noch einmal interessanter. Die Hauptstraßen haben wir überwiegend als gut erlebt. Bei kleineren Straßen konnte die Fahrt dagegen schon einmal anstrengender werden.
Irgendwann haben wir uns auch die Frage gestellt: Warum sollten wir den Camper eigentlich waschen? Nach der nächsten Straße sieht er doch sowieso wieder genauso aus.
Wobei wir inzwischen wissen: Es geht noch schlimmer. Grüße aus Lettland.

Beim Autofahren haben wir manchmal nur den Kopf geschüttelt
Nicht ganz so lustig fanden wir dagegen, wie manche Autofahrer unterwegs gefahren sind. Mehrfach wurden wir an Stellen überholt, an denen wir selbst wahrscheinlich lieber noch ein paar Minuten hinter einem Camper geblieben wären. Teilweise in Kurven oder mit ziemlich wenig Abstand.
Einmal wurden wir sogar von einem Bus mit Kindern überholt und haben uns danach beide nur angeschaut.
Dazu kamen die teilweise sehr kurzfristigen Abzweigungen. Gerade am Anfang sind wir an der einen oder anderen einfach vorbeigefahren. Irgendwann wussten wir dann zumindest: Wenn das Navi sagt, dass wir gleich abbiegen müssen, lieber schon mal genauer hinschauen.

Einkaufen in Estland:
Was uns im Supermarkt aufgefallen ist
Natürlich gehört zu fast zwei Wochen Estland auch der ganz normale Alltag. Irgendwann ist der Kühlschrank leer und man steht wieder im Supermarkt.
Wir waren überwiegend bei Rimi einkaufen und haben dort wieder einiges entdeckt, das wir vorher entweder gar nicht kannten oder so zumindest noch nie gekauft hatten.
Unsere Favoriten waren ziemlich schnell gefunden: Quarkriegel. Die gibt es gefühlt in sämtlichen Geschmacksrichtungen und natürlich mussten wir uns ein bisschen durchprobieren. Schoko und Vanille haben bei uns eindeutig gewonnen.
Direkt bei den Quarkriegeln lag noch etwas, das uns jedes Mal aufgefallen ist: Kohupiim. Dabei handelt es sich um Quark, den es unter anderem in länglichen Folienpackungen und verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt. Probiert haben wir ihn tatsächlich nicht, aber diese Art der Verpackung kannten wir aus Deutschland so nicht. Generell war die Auswahl an Milchprodukten ziemlich groß. Neben Quark und Quarkriegeln gab es zum Beispiel auch verschiedene Kefir-Sorten.

Auch sonst haben wir uns natürlich durch ein paar Sachen probiert. Ein Gebäck mit Vanillefüllung fanden wir richtig lecker und auch kleine Würstchen zum Aufschneiden und Anbraten landeten mehrmals bei uns in der Pfanne.
Beim Brot war die Auswahl ebenfalls ziemlich groß. Besonders häufig haben wir Roggenbrot und andere dunkle Brotsorten gesehen. Dazu kamen Knäckebrot, Toast und dunkle, eher flache Brötchen.
Klassische Aufbackbrötchen, wie wir sie aus Deutschland kennen und gerne im Camper nutzen, haben wir dagegen so gut wie gar nicht gefunden. Wenn es welche gab, waren es teilweise Packungen mit vier bereits fertig gebackenen und sogar schon aufgeschnittenen Brötchen.
Die Auswahl an süßem Gebäck war etwas kleiner, als wir es aus Deutschland gewohnt sind, für uns aber vollkommen ausreichend.

Was uns ebenfalls aufgefallen ist: Sirup gab es in ziemlich großer Auswahl. Das kannten wir ähnlich schon aus Finnland und Norwegen.
Bei manchen Preisen haben wir zweimal hingeschaut, sowohl positiv als auch negativ. Einmal gab es Äpfel für 57 Cent pro Kilogramm. Da kann man wirklich nicht meckern. Obst, Gemüse und Brot empfanden wir insgesamt häufig als angenehm günstig. Beim Obst und Gemüse musste man unserer Erfahrung nach allerdings manchmal etwas genauer hinschauen.
Kaffee fanden wir preislich ebenfalls völlig in Ordnung. Gerade im Angebot lagen manche Sorten ungefähr auf einem Niveau, das wir aus Deutschland kennen. Schokolade und Kosmetik empfanden wir dagegen teilweise als ziemlich teuer.
Was mir außerdem aufgefallen ist: Die Geschäfte, in denen wir waren, waren ordentlich und aufgeräumt und die Mitarbeiter haben wir freundlich erlebt. Die Backwaren lagen teilweise richtig schön in Vitrinen präsentiert.

Auch an der Kasse sah es etwas anders aus, als wir es aus vielen deutschen Supermärkten kennen. Häufig gab es nur eine klassische Kasse mit Kassierer oder Kassiererin und dafür ziemlich viele Selbstscanner-Kassen.
Eine Sache hat uns beim Einkaufen dann aber wirklich überrascht: Wir sahen immer wieder deutlich reduzierte Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bereits überschritten war. Teilweise waren sie um 30 Prozent reduziert.
Grundsätzlich finde ich den Gedanken dahinter sogar gut. Lebensmittel müssen schließlich nicht automatisch im Müll landen, nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist.
In Estland dürfen Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums unter bestimmten Voraussetzungen noch verkauft werden. Anders sieht es bei einem Verbrauchsdatum für leicht verderbliche Lebensmittel aus. Bei Produkten, deren MHD im Mai lag, während wir Ende August davorstanden, haben wir trotzdem beschlossen: Nein danke.
Lebensmittel retten: gerne. Aber irgendwann ist auch unsere Experimentierfreude vorbei.
Hier kannst du mehr dazu Lesen.

Und dann wäre da noch das Pfand in Estland.
Bei den pfandpflichtigen Getränkeverpackungen, die uns begegnet sind, waren es 10 Cent Pfand, egal ob Kunststoff, Glas oder Dose. Eigentlich ziemlich unkompliziert.
Nur die Rückgabe war für uns nicht immer sofort ersichtlich. Nicht in jedem Laden, in dem wir Getränke gekauft haben, haben wir auch direkt einen Pfandautomaten gefunden. Also wurden die Flaschen wieder eingepackt und beim nächsten passenden Automaten abgegeben.
Wer länger mit dem Camper unterwegs ist, kennt es wahrscheinlich:
Irgendwo entsteht irgendwann diese eine Ecke voller Pfandflaschen. 😉

Vergiss Schokoladenriegel, in Estland regiert der quarkriegel.








Digital und trotzdem manchmal ganz analog
Vor unserer Reise hatten wir immer wieder gehört, dass Estland sehr digital ist. Und ja, das merkt man tatsächlich an vielen Stellen.
Schon beim Einkaufen waren die vielen Selbstscanner-Kassen völlig normal. Noch spannender fanden wir allerdings die kleinen Lieferroboter, die uns unterwegs begegnet sind. Die fahren tatsächlich selbstständig durch die Gegend und bringen Einkäufe zu den Menschen nach Hause.
Beim ersten Mal mussten wir natürlich erst einmal gucken. So etwas gehört bei uns schließlich noch nicht unbedingt zum normalen Straßenbild.
Und dann stehst du kurze Zeit später da und möchtest 2,5 Kilo Äpfel kaufen und brauchst Bargeld. Aber man muss, hier auch dazu sagen, am Straßenrand haben wir die Äpfel gekauft.
Auch bei einem Eintritt konnten wir nur bar bezahlen. Und an einem der Kaffeeautomaten, die uns in Estland immer wieder begegnet sind, funktionierte zwar die Kartenzahlung, mit Bargeld war der Kaffee aber tatsächlich ein paar Cent günstiger.
Komplett ohne Bargeld würden wir deshalb trotz aller Digitalisierung nicht durch Estland reisen.

Aber genau diese Gegensätze fanden wir irgendwann richtig spannend. Denn nicht nur beim Bezahlen hatten wir manchmal das Gefühl, dass in Estland modern und traditionell ganz selbstverständlich nebeneinander existieren.
Sobald wir die größeren Orte hinter uns gelassen haben, wurde es teilweise unglaublich ruhig. Estland hatte Anfang 2026 rund 1,36 Millionen Einwohner und unterwegs konnten wir uns ziemlich gut vorstellen, wie sich diese vergleichsweise kleine Bevölkerung über das Land verteilt.
Wir fuhren durch kleine Orte, in denen es teilweise keine Straßenbeleuchtung gab. Dazu kamen ältere Häuser mit kleinen Fenstern und immer wieder Gebäude, die leer standen oder langsam von der Natur zurückerobert wurden.
Und dann standen dazwischen plötzlich Häuser, die kaum bunter hätten sein können. Zwei Farben? Kein Problem. Drei? Warum nicht. Bei einem Haus haben wir irgendwann aufgehört zu zählen, gefühlt waren es mehr als zehn verschiedene Farben. Gerade diese Mischung ist mir von Estland im Kopf geblieben.

Auf der einen Seite Lieferroboter, Selbstscanner und ein Land, das für seine Digitalisierung bekannt ist. Auf der anderen Seite kleine ruhige Orte, alte Häuser, Ruinen, Schotterstraßen und Situationen, in denen Bargeld plötzlich doch wieder wichtig wurde. Und irgendwie wirkte das überhaupt nicht so, als würde das eine nicht zum anderen passen.
Estland fühlte sich für uns manchmal an, als würden Vergangenheit und Zukunft einfach nebeneinander wohnen.
Vielleicht beschreibt genau das unseren Eindruck vom Land sogar besser als einfach nur zu sagen: Estland ist digital.

Menschen und Alltag in Estland: unsere persönlichen Eindrücke
Wie wir die Menschen in Estland erlebt haben? Eher ruhig, aber keineswegs unfreundlich.
Mit einem „Tere“ kamen wir eigentlich immer gut an und wenn wir mit Menschen gesprochen haben, haben wir sie freundlich und hilfsbereit erlebt.
Auf uns wirkte vieles ziemlich unaufgeregt. Keine große Show, sondern einfach Alltag. Und genau das mochten wir.
Natürlich ist das nur unser persönlicher Eindruck nach knapp zwei Wochen und keine Aussage darüber, wie „die Esten“ generell sind. Aber genau dieses Gefühl ist bei uns hängen geblieben.

Etwas haben wir allerdings erst während unserer Reise gelernt und da kam kurz ein kleines „Upsii “.In Estland müssen Fußgänger bei Dunkelheit oder schlechter Sicht auf der Straße einen Reflektor oder eine Lichtquelle verwenden. Das wussten wir vorher tatsächlich nicht. Gerade wenn man mit dem Camper unterwegs ist und abends noch mit dem Hund rausgeht, ist das ziemlich gut zu wissen. Beim nächsten Mal wäre der Reflektor also definitiv dabei. H
Und dann gibt es noch eine Tradition, die mit Estland eigentlich überhaupt nichts zu tun hat, dafür aber inzwischen mit unserer Reise. Wir waren bisher irgendwie in jedem Land einmal bei McDonald’s. Also selbstverständlich auch in Estland.
McFlurry gegessen. Länderanalyse abgeschlossen. Manche Traditionen muss man schließlich pflegen.
Unser Alltag unterwegs: Reisen ist nicht jeden Tag Urlaub
Fast zwei Wochen Estland klingen erst einmal nach Urlaub. Aber unsere Reise funktioniert nicht so.
Unter der Woche arbeitet mein Mann. Ich schreibe Bewerbungen, erstelle Content, arbeite an meiner Website und gehe mit Keisy ein paar Runden.
Manche Tage sehen wir unglaublich viel. An anderen passiert wenig. Und inzwischen finde ich genau das völlig in Ordnung. Wir müssen nicht jeden Tag fünf Sehenswürdigkeiten abhaken, nur weil wir gerade in einem anderen Land stehen. Wir reisen, aber gleichzeitig leben wir unterwegs auch unseren ganz normalen Alltag.
Und vielleicht genießen wir die Tage, an denen wir wirklich losziehen und etwas Neues entdecken, gerade deshalb noch einmal anders. Während unserer Zeit in Estland haben wir außerdem viel darüber gesprochen, wie es nach dieser Reise für uns weitergehen soll.
Und tatsächlich ist daraus eine neue Entscheidung entstanden. Aber das ist eine andere Geschichte.

Würden wir noch einmal nach Estland fahren?
Für uns ganz klar: ja.
Vor der Einreise wussten wir über Estland ehrlich gesagt ziemlich wenig. Vielleicht konnte uns das Land gerade deshalb so überraschen.
Wir waren an Wasserfällen, Ruinen, Aussichtstürmen, Steilküsten und am Peipussee, sind durch Nationalparks gelaufen und standen immer wieder irgendwo, wo einfach kaum jemand war.
Das Wetter? Sonne. Wolken. Regen. Kurz wieder Sonne. Noch mehr Wolken. Estland Ende August eben. Die Mücken hielten sich dafür bei uns überraschend in Grenzen.
Die Schotterstraßen müssen wir nicht unbedingt vermissen. Einige Situationen beim Autofahren ebenfalls nicht.
Aber das Land? Das würden wir wieder besuchen. Die Inseln haben wir beispielsweise überhaupt nicht geschafft. Damit hätten wir schon einen ziemlich guten Grund zurückzukommen.
Auswandern und dauerhaft dort leben? Für uns eher nicht. Aber wieder mit dem Camper hinfahren, noch mehr entdecken und Orte nachholen? Auf jeden Fall.
Am Ende war genau dieser Mix das, was Estland für uns so interessant gemacht hat.
Genau deshalb lässt sich Estland für uns auch nicht mit einem einzigen Wort beschreiben. Es war ruhig, modern, manchmal erstaunlich einfach, manchmal überraschend anders, und auf jeden Fall eine Reise wert.
Nach knapp zwei Wochen ging es für uns weiter über die Grenze nach Lettland. Und sagen wir mal so: Schon nach den ersten Kilometern wussten wir, dass das nächste Land wieder eine ganz andere Geschichte wird.

Gut zu wissen: Estland mit dem Camper auf einen Blick

Vielleichtsind es am ende gar nicht die großen Sehenswürdigkeiten,
die ein Land besonders machen. Sondern all die kleinen Dinge, bei denen man unterwegs kurz stehen bleibt.
FAQ: Estland mit dem Camper

Wie es auf unserem Blog weitergeht
Mit Estland sind wir noch nicht ganz fertig. Als Nächstes folgt „Wissenswertes über Estland“ mit all den Dingen, über die wir unterwegs noch mehr erfahren wollten.
Unsere Reise geht währenddessen weiter durch Lettland, Litauen und Polen. Und am Ende vergleichen wir natürlich auch unsere Kosten in den drei baltischen Ländern.
Es gibt also noch einiges zu erzählen.

Danke, dass du wieder mit uns unterwegs warst
Wenn du bis hierher gelesen hast: Danke. Wirklich.
Zeit ist kostbar und für mich ist es überhaupt nicht selbstverständlich, dass du einen Teil davon hier auf meinem Blog verbringst.
Vielleicht planst du selbst gerade eine Reise nach Estland. Vielleicht warst du schon dort. Oder du reist einfach von zu Hause ein kleines Stück mit uns durch Europa.
Denn am Ende sind es nicht nur die Orte, die eine Reise besonders machen, sondern auch die Menschen, mit denen man sie teilen kann.
Und genau deshalb freue ich mich, dass du hier bist und unsere Reise ein Stück begleitest.
Wenn du selbst schon in Estland warst, erzähl mir gerne davon: Was hat dich dort am meisten überrascht? Und welchen Ort sollten wir beim nächsten Mal auf keinen Fall verpassen?
Danke fürs Lesen, Mitreisen und Begleiten.
Jacqueline


Liebe Jacqueline,
was für ein schöner und spannender Reisebericht! Ich gönne euch diese wunderbare Zeit von Herzen – auch wenn ich zugeben muss, dass ich angesichts all dieser tollen Erlebnisse, besonderen Orte und beeindruckenden Landschaften ein kleines bisschen neidisch werde. Estland klingt wirklich faszinierend, und durch deine lebendige Beschreibung hatte ich beim Lesen das Gefühl, ein Stück mit euch unterwegs zu sein.
Ich freue mich sehr, wieder von euch und euren weiteren Abenteuern zu hören. Für eure Reise durch Lettland, Litauen und Polen wünsche ich euch weiterhin ganz viele unvergessliche Momente, schöne Begegnungen, gutes Wetter und natürlich immer eine sichere Fahrt – möglichst ohne allzu rumpelige Schotterstraßen. 😉
Alles, alles Gute für euch und Keisy!
Genießt die gemeinsame Zeit und lasst es euch gut gehen. Ich freue mich schon auf eure nächsten Geschichten!
Ahhhhhhhh ist das ein AvocadoZewa!?!?! Ich flipp ja komplett aus …
Grüß mir Philipp bitte ganz ganz lieb von mir …