Nach mehreren Wochen in Schweden gibt es Dinge, die für uns inzwischen völlig normal geworden sind.
Wir stehen irgendwo zwischen Seen, Wäldern und Naturreservaten, wandern über Holzstege durch Moore und fahren stundenlang durch Landschaften, in denen man gefühlt keinem Menschen begegnet. Eigentlich genau dort, wo man einen Elch erwarten würde.
Aber nein.
Wir haben immer noch keinen einzigen Elch gesehen.
Langsam glauben wir, die Tiere haben beschlossen, lieber nach Deutschland auszuwandern und dort auf Autobahnen für Schlagzeilen zu sorgen. 🙂
Als wir in Schweden angekommen sind, haben wir dagegen ständig Fragen gestellt.
Warum stehen die Briefkästen alle zusammen am Straßenrand? Warum hängen an Feiertagen überall schwedische Flaggen? Warum gibt es so viele rote Häuser? Und warum bekommt man an Rastplätzen kostenlos Wasser, saubere Toiletten und oft sogar kostenlose Parkplätze?
Je länger wir unterwegs sind, desto mehr Antworten finden wir auf diese Fragen.
Deshalb möchte ich in diesem Beitrag etwas Wissenswertes über Schweden mit euch teilen. Nicht aus einem Reiseführer heraus, sondern aus unseren eigenen Beobachtungen, Gesprächen mit Einheimischen und den Erfahrungen, die wir in den letzten Wochen gesammelt haben.
Manche Dinge haben uns überrascht, andere begeistert und wieder andere mussten wir erst einmal verstehen.
Kommt mit auf eine kleine Reise durch die Besonderheiten Schwedens – und vielleicht entdeckt ihr dabei sogar Dinge, die ihr bisher noch nicht über dieses faszinierende Land wusstet.
Wenn du unsere ersten Eindrücke nach der Ankunft lesen möchtest, findest du sie hier:

Je länger wir unterwegs sind, desto mehr merken wir: Schweden besteht nicht nur aus wunderschönen Seen, roten Holzhäusern und endlosen Wäldern.
Viele dieser Eindrücke haben wir bereits in unserem Reisebericht über zweieinhalb Wochen in Schweden festgehalten.
Es sind die kleinen Dinge im Alltag, die dieses Land so besonders machen.
Heute nehme ich euch mit auf eine kleine Reise durch die Dinge, die uns in Schweden überrascht haben und die viele Urlauber oft gar nicht bemerken.
Warum sind so viele Häuser in Schweden rot?
Wenn man an Schweden denkt, hat wahrscheinlich fast jeder sofort ein Bild im Kopf. Ein rotes Holzhaus mit weißen Fenstern am See.
Tatsächlich steckt dahinter eine spannende Geschichte.
Die berühmte Farbe stammt ursprünglich aus der Region Falun in Dalarna. Dort wurde über Jahrhunderte Kupfer abgebaut. Aus den Nebenprodukten entstand das sogenannte Falunrot.
Die Farbe war günstig, schützte das Holz vor Wind und Wetter und wurde dadurch im ganzen Land beliebt. Bis heute werden viele Häuser mit dieser traditionellen Farbe gestrichen.
Mir ist dabei aufgefallen, dass die Farbe ganz anders wirkt als moderne Fassadenfarben. Sie wirkt natürlicher, etwas rauer und passt perfekt in die Landschaft.
Übrigens gibt es neben den roten Häusern auch viele gelbe Gebäude. Diese sollten früher die teuren Backstein- und Sandsteinhäuser Südeuropas nachahmen.

Warum hängen an Feiertagen überall schwedische Flaggen?
Als wir an einem Feiertag unterwegs waren, fiel uns sofort etwas auf: Überall wehten schwedische Flaggen.
Vor Häusern. An öffentlichen Gebäuden.
Auf Campingplätzen.Selbst viele Privatgrundstücke besitzen einen eigenen Fahnenmast.
In Schweden gibt es offizielle Flaggentage. An diesen Tagen wird die blau-gelbe Flagge gehisst, um nationale Feiertage, königliche Geburtstage oder besondere Ereignisse zu würdigen.
Während des Nationalfeiertags waren bei uns fast alle Geschäfte geschlossen. Geöffnet hatten hauptsächlich Supermärkte, einige Friseure und wenige Restaurants oder Pizzerien.
Die Schweden wirken oft zurückhaltend, aber ihren Nationalstolz zeigen sie auf eine ruhige und sympathische Weise


Warum stehen die Briefkästen an der Straße?
Eine Sache hat uns besonders verwundert: In vielen Orten stehen die Briefkästen nicht direkt am Haus. Stattdessen findet man oft ganze Gruppen von Briefkästen am Straßenrand.
Der Grund ist ganz einfach. Schweden ist groß. Sehr groß.
Vor allem auf dem Land liegen viele Häuser weit auseinander. Für die Postboten würde es enorm viel Zeit kosten, jede Einfahrt einzeln anzufahren.
Durch die Sammelbriefkästen wird die Zustellung deutlich effizienter. Besonders im Winter bringt das Vorteile.
Die Post muss nicht jede verschneite Zufahrt befahren und die Zustellung bleibt trotzdem zuverlässig.
Warum gibt es kostenlose Parkplätze, Toiletten und Wasser?
Das war etwas, das uns schon in den ersten Tagen positiv aufgefallen ist.
An vielen Rastplätzen findet man: kostenlose Parkplätze, kostenlose Toiletten, kostenloses Trinkwasser, teilweise sogar Entsorgungsmöglichkeiten
In Deutschland wäre vieles davon gebührenpflichtig.
In Schweden sieht man diese Angebote als Teil der öffentlichen Infrastruktur. Ausgeruhte Autofahrer sorgen für mehr Sicherheit. Saubere Rastplätze fördern den Tourismus.
Und Wasser gilt hier nicht als Luxusgut.
Schwedisches Leitungswasser gehört zu den saubersten der Welt.
Wir nutzen es täglich und hatten bisher nie Probleme.

Warum sieht man überall Lupinen?
Am Anfang fanden wir die bunten Blumen wunderschön. Kilometerlange Straßenränder voller lila, rosa und blauer Blüten. Fast wie gemalt.
Später haben wir heraus gefunden, dass die Lupine in Schweden mittlerweile ein echtes Problem geworden ist.
Die Pflanze stammt ursprünglich aus Nordamerika und wurde als Zierpflanze eingeführt. Heute breitet sie sich vielerorts unkontrolliert aus.
Das Problem:
Sie verdrängt heimische Pflanzenarten und verändert die natürlichen Lebensräume vieler Insekten.
Deshalb geht Schweden inzwischen verstärkt gegen die weitere Ausbreitung vor.
Ein gutes Beispiel dafür, dass nicht alles, was schön aussieht, automatisch gut für die Natur ist.
Du findest spannend? Hier steht alles weitere.

Warum bezahlen Schweden fast alles mit Karte?
Wir haben bisher kaum Bargeld gesehen. Ehrlich gesagt hätten wir unsere Euros auch zu Hause lassen können. In Schweden wird fast alles mit Karte bezahlt.
Selbst kleinste Beträge. Bestes Beispiel bei uns die öffentliche Dusche wo wir 98 ct mit der Karte gezahlt haben.
Viele Geschäfte akzeptieren gar kein Bargeld mehr.
Bezahlt wird meistens mit Karte, Smartphone oder der schwedischen App Swish, die wir nicht nutzen können den dafür benötigt man ein schwedisches Konto.
Trotzdem haben wir gelernt:
Eine zweite Karte sollte man immer dabeihaben.
Denn wenn eine Karte plötzlich nicht funktioniert, steht man sonst ziemlich blöd da. Glaubt mir ich spreche da aus Erfahrung. 🙂
Warum lieben die Schweden Lakritz?
Eine Frage, die wir uns nach dem ersten Supermarktbesuch gestellt haben: Warum gibt es hier so viel Lakritz?
Die Antwort liegt teilweise in der Geschichte. Früher wurde Lakritz in Schweden sogar als Heilmittel verkauft. Heute gehört es einfach zur Kultur.
Besonders bekannt ist das sogenannte „Lördagsgodis“.
Kinder bekommen traditionell samstags eine Tüte Süßigkeiten.
Darin befindet sich häufig auch Lakritz.
Wer Lakritz liebt, wird Schweden wahrscheinlich lieben.
Wer Lakritz hasst … braucht vielleicht etwas Eingewöhnungszeit.
Wir mögen beide keine Lakritz aber haben schon eine Süßigkeit Tüte uns gemixt. Es gibt nämlich ganz viel leckeres außer Lakritz.

Was macht Schweden eigentlich so besonders?
Je länger wir hier unterwegs sind, desto schwerer fällt es uns, diese Frage in einem Satz zu beantworten.
Es sind nicht nur die Wälder. Nicht nur die Seen. Nicht nur die roten Häuser.
Es ist das Gesamtgefühl. Mehr Platz. Mehr Ruhe. Weniger Hektik. Weniger Gedränge.
Die Menschen wirken entspannter. Die Natur spielt im Alltag eine viel größere Rolle.
Und vieles scheint darauf ausgelegt zu sein, das Leben ein bisschen einfacher zu machen.
Vielleicht beschreibt ein schwedisches Sprichwort dieses Gefühl am besten:
„Lagom är bäst.“
Auf Deutsch bedeutet das ungefähr:
„Genau richtig ist am besten.“
Nicht zu viel. Nicht zu wenig. Ein Gedanke, den wir in Schweden immer wieder entdecken.

Unser Fazit
Nach mehreren Wochen in Schweden haben wir längst nicht alles verstanden. Aber genau das macht dieses Land so spannend. Hinter vielen scheinbar alltäglichen Dingen steckt oft eine interessante Geschichte.
Ein rotes Haus ist nicht einfach nur ein rotes Haus. Eine Flagge ist nicht einfach nur eine Flagge. Und selbst eine wunderschöne Lupine kann mehr sein als nur eine hübsche Blume.
Je länger wir hier unterwegs sind, desto mehr lernen wir dieses Land kennen.
Und wir haben das Gefühl, dass noch viele Überraschungen auf uns warten.





Häufige Fragen über Schweden
Danke, dass du bis hier gelesen hast <3
Es bedeutet mir wirklich viel, dass du unsere Reise begleitest. Vielleicht warst du selbst schon einmal in Schweden unterwegs. Vielleicht träumst du gerade von deiner ersten Reise hierher. Oder vielleicht bist du einfach neugierig geworden.
Und wie geht es weiter?
Während ich diesen Beitrag schreibe, sind wir längst weitergereist.
Wir sammeln jeden Tag neue Eindrücke, entdecken neue Orte und lernen Schweden immer besser kennen. Im nächsten Reisebericht nehmen wir euch wieder mit auf unseren Weg durch Schweden und erzählen von unseren Erlebnissen nach fünf Wochen unterwegs mit dem Camper.
Und danach wird es noch spannender: Danach schauen wir uns einige Dinge genauer an, die Schweden so besonders machen. Zum Beispiel:Warum funktioniert das Jedermannsrecht hier so gut? Warum gibt es so wenige Zäune? Wie leben Schweden mit so viel Natur und Freiheit? Und was können wir vielleicht von ihnen lernen?
Denn je länger wir hier unterwegs sind, desto mehr merken wir: Schweden ist nicht nur ein schönes Reiseland. Es ist auch ein Land voller spannender Geschichten, Traditionen und Besonderheiten.
Und genau diese möchten wir in den kommenden Beiträgen mit euch entdecken.
Bis dahin wünschen wir euch viele kleine Abenteuer und einen wunderschönen Tag.