Leben im Camper: Unsere ehrlichen Erfahrungen nach zweieinhalb Wochen in den Niederlanden

Leben im Camper fühlt sich nach zweieinhalb Wochen in den Niederlanden inzwischen überraschend normal an. Jeder Moment aufregend, jeder Handgriff im Camper neu, alles irgendwie ein kleines Abenteuer. Und heute sitzen wir hier, trinken unseren ersten Kaffee, schauen Keisy beim Dösen zu und überlegen, was der Tag bringt. Aber eben nicht mehr wie im Urlaub, sondern einfach, weil es unser Alltag ist. Und genau da merkt man:
Das hier ist nicht mehr nur eine Reise. Das ist gerade wirklich unser Leben.
Falls du unseren Start verpasst hast und dich fragst, wie wir überhaupt unser ganzes Leben in diesen Camper bekommen haben unsere komplettePackliste habe ich dir hier einmal zusammengestellt.

Unser Alltag im Camper hat sich verändert

Morgens klingelt unser Wecker übrigens um 6:30 Uhr. Um 7 steht Philipp auf, macht Wasser heiß und bereitet mit der French Press unseren Kaffee zu. Das ist inzwischen irgendwie unser kleines Ritual geworden. Während draußen langsam alles wach wird und manchmal noch Nebel über den Wiesen hängt, sitzen wir einfach da, trinken unseren Kaffee und kommen langsam im Tag an. Früher war morgens oft direkt Stress im Kopf. Heute fühlt sich alles langsamer an.

Danach arbeitet Philipp ganz normal weiter und ich starte mit Keisy in den Tag. Nach unserer ersten Runde lerne ich meistens für meine Weiterbildung. Mittags gibt es dann unser „Frühstück“. Bei mir aktuell fast immer das Gleiche: Haferflocken, Leinsamen, Chiasamen, Zimt, Milch und Wasser. Das lasse ich über Nacht ziehen und schneide morgens noch einen Apfel rein und gebe Pekannüsse dazu. Philipp isst meistens Brot… oder einfach gar nichts, weil er noch keinen Hunger hat.

Unser Alltag hat sich inzwischen richtig eingespielt. Nicht geschniegelt oder perfekt, aber ehrlich gesagt ziemlich gut. Philipp kümmert sich viel um Wasser, Abwasser und alles Technische draußen und ich eher um den Alltag im Camper. Und ohne groß darüber zu reden, weiß jeder irgendwie, was zu tun ist. Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, wie sehr man als Team nochmal zusammenwachsen kann, wenn man auf so engem Raum lebt.

Gerade in den Niederlanden standen wir fast nur auf Campingplätzen, weil man dort ja nicht einfach frei stehen darf. Und ich bin ehrlich: Die Duschen dort haben sich irgendwann wirklich wie Luxus angefühlt . Wir haben einmal im Camper geduscht und da merkt man plötzlich erst, wie selbstverständlich manches früher war. Wenig Platz, Wasser einteilen, warten bis es warm wird… und gleichzeitig denkt man sich: Okay, daran müssen wir uns wohl wirklich noch gewöhnen.

Vor allem war genau da schon der Gedanke an Schweden im Kopf. Uns war ziemlich schnell klar, dass das dort nochmal ganz anders werden würde, wenn wir öfter frei stehen und viel mehr auf unseren Wasserhaushalt achten müssen.

Leben im Camper.
Cremiger Kaffee im Restaurant  in den Niederlanden gemütliche Kaffeepause während unserer campingreise durch die Niederlande. k stel niks uit hoor... ik wacht gewoon op het perfecte moment. Dat meestal komt na koffie. Of nooit

Warum unser Leben plötzlich ruhiger geworden ist

Was mich im Nachhinein am meisten überrascht hat, ist eigentlich, wie ruhig unser Leben in den Niederlanden geworden war.

Wir haben dort plötzlich keinen Fernseher mehr gebraucht. Stattdessen saßen wir oft einfach draußen, haben gelesen oder einfach nur die Natur beobachtet. Wenn ich mit Keisy unterwegs war, habe ich oft bewusst das Internet ausgemacht, einfach um wirklich mal alles wahrzunehmen und nicht ständig aufs Handy zu schauen. Und genau da merkt man erst, wie viel man früher eigentlich nur nebenbei erlebt hat.

Die Niederlande haben sich für uns irgendwann gar nicht mehr fremd angefühlt. Eher vertraut. Nicht langweilig, einfach angekommen. Man kannte langsam die Abläufe, die Menschen und irgendwie auch diese Ruhe dort. Was mir besonders hängen geblieben ist: Wie viel dort gegrüßt wird. Die Leute wirkten entspannter, es lag weniger Müll herum und selbst Autofahren hat sich irgendwie ruhiger angefühlt als bei uns in Deutschland.

Und dann waren da diese kleinen Momente, die wahrscheinlich viel länger im Kopf bleiben als große Sehenswürdigkeiten. Eine Entenfamilie am Straßenrand.
Zwei ältere Niederländer, die zusammen an ihrem Handy herumprobiert und dabei total süß diskutiert haben. Diese Wälder, die ganz anders aussahen als zuhause, weil sie viel wilder und gemischter wirkten.

Oder einfach dieser eine Moment, als Philipp irgendwann leise gesagt hat:
„Ach, schön.“ Und man sofort gemerkt hat, wie glücklich dieser Mensch gerade ist.
Ich glaube genau das war einer der Momente, in denen ich verstanden habe, wie gut uns diese Reise eigentlich tut.

Freiheit klingt romantischer, als sie manchmal ist

Dieses Freiheitsgefühl war in den Niederlanden übrigens wirklich da. Es hat sich komplett anders angefühlt als unser altes Leben. Weniger Stress, weniger negative Dinge im Kopf und irgendwie viel mehr Ruhe. Man lebt langsamer und bewusster und genau das hat uns unglaublich gut getan.

Aber natürlich hat auch Freiheit irgendwo ihre Grenzen Wasser, Gas, Strom und irgendwann eben auch die Toilette. Wenn mal ein oder zwei Tage die Sonne nicht richtig scheint, merkt man sofort, dass man plötzlich wieder mehr planen und überlegen muss. Wie wir das mit Strom, Solar und unserem Alltag im Camper lösen, zeigen wir euch übrigens nochmal in einem eigenen Beitrag.

Und wir haben unterwegs auch schnell gemerkt, wie wichtig manche Kleinigkeiten eigentlich sind. In den Niederlanden standen wir einmal an der Kasse und plötzlich funktionierte das Kartenlesegerät nicht mehr. In dem Moment waren wir wirklich froh, dass wir noch Bargeld dabeihatten. Seitdem achten wir da nochmal mehr drauf.

Auch Stellplätze schauen wir uns meistens vorher an. Gerade mit Hund ist das einfach entspannter, damit man nicht plötzlich irgendwo steht und Hunde doch nicht erlaubt sind oder der Platz am Ende gar nicht passt. Für die Niederlande haben wir oft Park4Night, Campspace genutzt und für Schweden und Norwegen wollen wir wahrscheinlich viel mit der Nordcamp-App arbeiten. Gerade wenn man länger unterwegs ist, merkt man irgendwann, wie hilfreich solche Apps eigentlich sind.

Hund Keisy unterwegs in den Niederlanden beim reisen mit dem Camper in der Natur zwischen Wiesen und Sparziergängen.
Keisy entspannt im Camper und genießt die ruhe während unsere  Reise durch die Niederlande.

Keisy ist komplett angekommen

Leben im Camper mit Hund funktioniert für uns bisher überraschend gut.

Keisy ist inzwischen wirklich komplett angekommen.

Die meiste Zeit schläft sie ehrlich gesagt einfach irgendwo im Camper herum und sucht sich immer genau die Stelle aus, wo gerade ein bisschen Sonne reinfällt. Aber sobald die Tür aufgeht, ist sie sofort hellwach und komplett in ihrer eigenen kleinen Welt.
Dann wird geschnüffelt, beobachtet, Mäuse gesucht und alles angebellt, was ihrer Meinung nach verdächtig aussieht. In Rijkel hat sie wirklich fast jedes Tier angebellt,außer die Schweine. Warum genau die verschont geblieben sind, wissen wir bis heute nicht.

Und Regen?
Regen findet sie weiterhin völlig unnötig.
Wenn es draußen nass ist, schaut sie uns manchmal an, als hätten wir persönlich beschlossen, dass das Wetter heute schlecht wird. Trotzdem geht sie natürlich mit raus, auch wenn man ihr dabei deutlich ansieht, dass sie das alles gerade nicht besonders fair findet.

Was ich aber richtig schön finde: Man merkt einfach, wie wohl sie sich fühlt. Sie ist viel entspannter geworden, genießt die Ruhe draußen und liebt die Natur wahrscheinlich genauso sehr wie wir inzwischen.
Nur bei unseren Wanderungen hätte sie gerne ein kleines Mitspracherecht. Ich glaube ehrlich gesagt, wenn Hunde irgendwo Beschwerden einreichen könnten, hätten wir längst Post bekommen, weil wir ihrer Meinung nach definitiv zu viel laufen.
Und trotzdem merkt man jedes Mal draußen wieder, wie glücklich sie eigentlich ist. Genau das macht Reisen mit Hund irgendwie nochmal besonderer.

Was wir nach zweieinhalb Wochen gelernt haben

Natürlich gibt es auch Momente, in denen ich Menschen vermisse. Besonders einen Moment werde ich wahrscheinlich nicht vergessen: Als ich Postkarten geschrieben habe und mir aufgefallen ist, dass ich meiner Oma keine mehr schicken kann. Das war kurz schwer. Aber gleichzeitig merke ich auch, dass man heute eigentlich nie wirklich weit weg ist. Nachrichten, Sprachnachrichten, Telefonate… und trotzdem bleiben Postkarten für mich einfach etwas Besonderes.

Was wir unterwegs gelernt haben

– Campingplätze sind am Anfang wirklich Gold wert, allein schon wegen Dusche, Wasser und etwas Routine
– Man braucht deutlich weniger Dinge, als man vorher denkt
– Kleine Orte fühlen sich für uns oft viel schöner an als große Touristenattraktionen
– Offline sein tut manchmal besser, als man erwartet
– Regen klingt im Camper deutlich gemütlicher, als er sich beim Gassi gehen anfühlt
– Bargeld dabeihaben kann einem plötzlich den Einkauf retten
– Und Hagelslag gehört inzwischen irgendwie einfach zu unserem Alltag dazu

Typischer roter Brifkasten in den Niederlanden während unsere Reise mit Camper durch die Niederlande
Jacqueline unterwegs mit dem Camper in den Niederlanden während unsere Langzeitreise durch Europa

FAQ – Leben im Camper & Niederlande


Und jetzt geht es weiter nach Schweden

Und jetzt wartet schon das nächste Abenteuer auf uns: Schweden.
Ich bin ehrlich, ich freue mich riesig darauf. Auf die endlosen Wälder, die vielen Seen, diese Weite und dieses Gefühl von noch mehr Natur. Gleichzeitig bin ich aber auch unglaublich gespannt, wie sich unser Alltag dort nochmal verändern wird.
In den Niederlanden hatten wir oft Campingplätze, Duschen und irgendwie trotzdem noch ein kleines Stück „Sicherheit“. In Schweden wird vieles wahrscheinlich freier, ruhiger und manchmal bestimmt auch herausfordernder. Mehr draußen. Mehr Natur. Mehr auf uns allein gestellt.

Und genau das macht es gleichzeitig spannend und ein kleines bisschen beängstigend .
Was werden wir dort erleben?
Wie wird es sein, irgendwo mitten in der Natur aufzuwachen?
Wie kommen wir mit Wasser, Strom und Alltag klar, wenn nicht immer direkt ein Campingplatz in der Nähe ist?

Und dann sind da natürlich noch die Tiere.
Ich freue mich riesig auf Elche, die Wälder und die Natur…
aber auf Schlangen könnte ich ehrlich gesagt gut verzichten.

Ich bin gespannt, wie sich unser leben im Camper in Schweden verändern wird.
Neue Orte, neue Erfahrungen und wahrscheinlich auch wieder ganz neue Herausforderungen. Jetzt wartet Schweden auf uns.
Aber genau darauf freuen wir uns gerade irgendwie am meisten.

Schön, dass du wieder dabei warst

Ganz ehrlich: Es bedeutet mir wirklich viel, dass inzwischen so viele von euch hier mitlesen, kommentieren und unsere Reise begleiten.
Vor ein paar Wochen war das alles hier nur eine Idee in unseren Köpfen und mittlerweile fühlt es sich manchmal wirklich so an, als würdet ihr ein kleines Stück mit uns mitreisen.

Und weil viele von euch gefragt haben: Ja Wir werden auf jeden Fall auch noch einen eigenen Beitrag darüber machen, welche Apps uns unterwegs wirklich helfen, gerade bei Stellplätzen, Wetter oder der Reiseplanung.

Mal sehen, welche Geschichten wir wohl aus Schweden mitbringen werden.

Und jetzt interessiert mich natürlich noch etwas: Was glaubst du, verändert Reisen einen Menschen wirklich oder holt es nur Seiten hervor, die schon lange da waren?

3 Kommentare zu „Leben im Camper: Unsere ehrlichen Erfahrungen nach zweieinhalb Wochen in den Niederlanden“

  1. Wie toll 🙂 Da fühlt man sich ja, als wäre man live dabei 🙂 ich bin total gespannt was Euch für tolle Abenteuer und auch kleine Herausforderungen in Schweden erwarten!
    Man geht auf jeden Fall aus seiner Komfortzone raus .., aber wenn zusammen ist und es einem gut geht ist es alles halb so „schlimm“
    Genießt die Zeit, die Zeit zu zweit und auch mal alleine 🙂 sammelt die tollen Eindrücke und speichert sie ab – das wird ganz großartig!
    Eine gute Reise nach Schweden –
    bohr wie cool wäre das wenn ihr einen Elch sehen würdet!! 😀

    1. Wie schön geschrieben 🥹
      Danke dir für diesen lieben Kommentar. Genau das macht unseren Blog so besonders zu wissen, dass andere unsere Reise mitfühlen und mitfiebern 💛
      Und ja…
      wir sind mittlerweile gut in Schweden angekommen 🇸🇪
      Alles ist noch neu, aufregend und irgendwie auch ein bisschen surreal. Wir freuen uns auf die nächsten Abenteuer, schöne Momente in der Natur und vielleicht ja wirklich auf unseren ersten Elch in Schweden.
      Danke, dass du uns auf unserem Weg begleitest. 🙂

      1. Ihr Lieben – SORRY ich war ausgeknockt und war eine Woche zu Hause und dann waren ja noch die Feiertage!!
        Wie geht es Euch? Wie ist das Wetter? Wo seid Ihr?
        Welche Abenteuer habt Ihr schon erlebt!?!
        Ich hoffe es geht Euch gut und Ihr könnt die Ruhe und die Natur genießen … lasst es Euch gut gehen habt eine ganz tolle Zeit
        Ganz liebe Grüße
        Sarah

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