
Zwei Wochen, über 1.500 Kilometer und jeden Tag das Gefühl, in einer völlig neuen Welt aufzuwachen.
Bevor unsere Norwegenreise überhaupt richtig begann, hatte ich mir die wildesten Szenarien ausgemalt. Ich habe unsere Hausapotheke mehrfach kontrolliert, Lebensmittel aussortiert, Unterlagen doppelt geprüft und war fest davon überzeugt, dass wir an der Grenze unseren kompletten Camper ausräumen müssen.
Am Ende war die Einreise nach wenigen Minuten erledigt und ich musste über mich selbst lachen.
Doch genau das macht Reisen für uns aus. Man plant, macht sich Gedanken und erlebt am Ende oft etwas völlig anderes.
In den vergangenen zwei Wochen sind wir mit Hektor und Keisy durch beeindruckende Fjordlandschaften gefahren, haben unzählige Tunnel durchquert, Wasserfälle bestaunt, auf Bergen gestanden, neue Menschen kennengelernt und viele Erfahrungen gesammelt, schöne, überraschende und manchmal auch herausfordernde.
In diesem Beitrag nehme ich dich mit auf unsere ersten zwei Wochen Norwegenreise mit dem Camper und erzählen dir ehrlich, was uns begeistert hat, was uns überrascht hat und welche Tipps wir selbst vor der Reise gerne gelesen hätten.
Falls du neu auf meinem Blog bist, findest du auf meiner Über-mich-Seite mehr über mich, unseren Camper Hektor und warum wir überhaupt losgezogen sind.
Die Grenzüberquerung ich habe mich völlig verrückt gemacht
Ich glaube, ich war nervöser als nötig. Wochen vor der Einreise habe ich angefangen, alles doppelt und dreifach zu kontrollieren. Die Hausapotheke wurde komplett ausgeräumt. Jede Packung habe ich angeschaut. Ich habe überprüft, welche Medikamente erlaubt sind und welche nicht. Sogar unsere Chiasamen mussten dran glauben. Ich war mir nicht hundertprozentig sicher, ob wir sie mitnehmen dürfen. Also habe ich sie lieber entsorgt. Im Nachhinein völlig unnötig. Aber in meinem Kopf liefen schon die wildesten Szenarien ab. Ich war überzeugt davon, dass wir an der Grenze unseren kompletten Camper ausräumen müssen. Dass jede Schublade kontrolliert wird. Dass wir sämtliche Lebensmittel zeigen müssen. Dass irgendetwas nicht stimmt. Dabei hatten wir überhaupt nichts zu verbergen. Man macht sich manchmal einfach selbst verrückt.
Der Tierarztbesuch lief völlig unkompliziert
Auch wegen Keisy hatte ich etwas Sorge. Vor der Einreise musste sie die vorgeschriebene Wurmkur bekommen. Zum Glück lief alles problemlos. Bei unserer Tierärztin in Schweden durften wir Keisy die Tabletten sogar selbst geben. Sie hat sie sofort gefressen mit Brie. Der Heimtierausweis bekam seinen Stempel und wir konnten ganz entspannt am nächsten Tag Richtung Norwegen fahren. Auch das war am Ende viel unkomplizierter, als ich es mir vorgestellt hatte.

Das Bargeldformular hätten wir uns sparen können
Vor der Grenze hatten wir außerdem online ein Formular ausgefüllt. Wir waren der Meinung, dass wir unser Bargeld anmelden müssen. Also alles ausgefüllt. Ausgedruckt. Bereitgelegt.
An der Grenze erklärte man uns dann ganz freundlich, dass das für uns gar nicht notwendig gewesen wäre, weil wir zu zweit unterwegs sind und den Grenzwert gemeinsam nicht überschreiten. Auch hier: Wieder völlig unnötig Stress gemacht.
Und dann war alles vorbei…
Philipp stieg aus. Ganz entspannt. So wie immer. Er zeigte den Heimtierausweis von Keisy. Legte die Unterlagen vor. Beantwortete ein paar Fragen. Und keine fünf Minuten später saß er wieder im Camper. Ich schaute ihn an und fragte: War’s das jetzt wirklich? Ja. Also… wir dürfen jetzt einfach weiterfahren?
Ja. Während der Fahrt habe ich bestimmt noch zweimal nachgefragt. Ich konnte kaum glauben, dass ich mir wochenlang so viele Gedanken gemacht hatte. Im Nachhinein kann ich jedem nur sagen: Macht euch nicht verrückt. Bereitet euch gut vor, aber malt euch keine Horrorszenarien aus. Uns hat die Grenzüberquerung gezeigt, dass vieles deutlich entspannter läuft, als man vorher denkt.

Willkommen in Norwegen
Nach der Grenze füllten wir erst einmal Wasser auf. Dann ging unsere Reise richtig los. Und schon die ersten Kilometer zeigten uns: Norwegen ist anders. Die Straßen. Die Berge.Die Tunnel. Die Landschaft. Alles wirkte plötzlich deutlich rauer.


Unser erster Stellplatz war ehrlich gesagt kein guter Start
Unser erster Übernachtungsplatz lag am Rand einer Stadt auf einem Parkplatz. Rückblickend würden wir dort wahrscheinlich nicht noch einmal stehen. Nicht, weil der Platz schlecht war.
Sondern weil wir direkt aus Schweden kamen. Und der Unterschied war enorm. Plötzlich waren wieder unglaublich viele Menschen unterwegs. Viel Verkehr. Mehr Lärm. Mehr Hektik. Für uns fühlte sich das fast wie ein kleiner Kulturschock an. Nach sechs Wochen Schweden hatten wir uns an die Ruhe gewöhnt. Natürlich gibt es auch dort Städte. Aber unser erster Eindruck von Norwegen war eben genau dieser Parkplatz. Zum Glück änderte sich das in den nächsten Tagen schnell wieder.

Unser erster McFlurry in Norwegen
Natürlich mussten wir auch gleich einmal vergleichen. Ein McFlurry kostete uns 4,51 Euro. Geschmeckt hat er. Aber auch hier merkten wir schnell: Norwegen ist deutlich teurer als Deutschland. Und trotzdem gönnen wir uns unterwegs bewusst solche kleinen Dinge. Denn genau diese Momente gehören für uns genauso zur Reise wie Wanderungen oder Fjorde.

Diesel günstig, Einkaufen teuer
Etwas überrascht hat uns der Dieselpreis. Der war teilweise sogar günstiger als in Deutschland.Ganz anders sah es allerdings beim Einkaufen aus. Unsere bisher teuersten Dinge bis her: Salami: 8 Euro Gurke: 2,34 Euro. Und unser bisher teuerstes Eis gab es in Lillesand. Dort haben wir für vier Kugeln Eis insgesamt 17,47 Euro bezahlt. Je nach Ort unterscheiden sich die Preise allerdings deutlich. Gerade in touristischen Regionen ist vieles noch einmal teurer.

Was uns beim Einkaufen positiv überrascht hat
Es gibt aber auch Dinge, die wir richtig gut finden. Zum Beispiel das Brot. Viele Brotsorten kommen ohne zugesetzten Sirup aus und schmecken einfach angenehm natürlich. Auch die Wiener Würstchen haben uns positiv überrascht. Klingt vielleicht unspektakulär. Aber wenn man mehrere Wochen unterwegs ist, freut man sich über solche Kleinigkeiten. Brot, Paprika und Joghurt gehören inzwischen übrigens zu unseren meistgekauften Lebensmitteln. Getränke brauchen wir dagegen kaum zu kaufen. Unser Frischwasser füllen wir regelmäßig kostenlos an Versorgungsstationen auf. Nur ab und zu landet mal ein Eistee im Einkaufswagen.
Norwegens Natur verändert sich hinter jeder Kurve
Wenn uns jemand fragen würde, was Norwegen für uns ausmacht, müssten wir wahrscheinlich antworten: Abwechslung. Kaum ein anderes Land hat uns bisher landschaftlich so überrascht. Du fährst durch einen Tunnel. Und auf der anderen Seite erwartet dich plötzlich eine komplett andere Welt. Mal blickst du auf einen tiefblauen Fjord. Dann wieder auf schneebedeckte Berge. Ein paar Kilometer später fährst du durch grüne Täler, vorbei an Wasserfällen, rauen Felsen und kleinen Dörfern. Selbst nach zwei Wochen staunen wir immer noch bei fast jeder Autofahrt. Bis heute sind wir bereits über 1.500 Kilometer durch Norwegen gefahren. An einem einzigen Tag waren es sogar 21 Tunnel. Ich frage mich jedes Mal aufs Neue:
Wo bringen sie eigentlich das ganze Gestein hin, das beim Tunnelbau entsteht?
Vielleicht weiß das ja jemand von euch. Schreibt es gerne in die Kommentare.





Wandern gehört inzwischen zu unserem Alltag
In den letzten zwei Wochen waren wir auf mehreren Bergen unterwegs.Wir haben die Månafossen besucht. Sind entlang glatter Felsen an der Küste von Tromøy gewandert. Haben Stellplätze direkt neben freilaufenden Schafen gefunden. Und standen sogar an einem Platz, an dem die Berge noch mit Schnee bedeckt waren. Nach einer Wanderung sind wir sogar spontan in der Nordsee schwimmen gegangen. Bei Sonnenschein war das einfach herrlich. Bisher hatten wir übrigens nur einen einzigen richtigen Regentag. Norwegen zeigt sich für uns bisher wirklich von seiner schönsten Seite.

Ein Moment, der mich kurz an meine Grenzen gebracht hat
Nicht jede Wanderung verlief ganz entspannt.Bei einer Tour führte der Weg plötzlich durch dichtes Gestrüpp, Heide und hohes Gras.Ich konnte den Boden kaum noch sehen.In meinem Kopf kreisten sofort Gedanken an Zecken oder Schlangen.Je weiter wir liefen, desto unwohler wurde mir.Kurz vor dem Ziel bekam ich sogar eine kleine Panikattacke.Im Nachhinein war natürlich alles halb so schlimm. Aber genau solche Momente gehören für mich auch zum Reisen dazu. Nicht jede Situation fühlt sich sofort gut an. Manchmal kostet es Überwindung. Und genau daran wächst man.

Keisy macht das einfach großartig
Ich glaube, wir könnten inzwischen fast sagen:
Keisy ist eine richtige Reisehündin geworden. Autofahren? Kein Problem.
Wandern? Liebt sie, naja macht sie halt mit.
Jeden Tag an einem anderen Ort schlafen? Für sie inzwischen völlig normal. Sie macht, dass alles richtig klasse. Sie war sogar schon mit uns in der Nordsee baden.
An einem Tag hat sie leider gleich zehn Zecken eingesammelt.
Das war im Sandripheia Fritidspark.
Zum Glück kontrollieren wir sie jeden Abend gründlich. Zecken sind hier eindeutig das größere Thema. Mücken hatten wir bisher dagegen kaum

Menschen machen jede Reise besonders
Neben der Natur sind es vor allem die Begegnungen mit anderen Menschen, die uns in Erinnerung bleiben. Philipp konnte inzwischen schon der zweiten deutschen Familie mit unserem Wasserschlauch und den passenden Adaptern helfen. Unser wichtigster Tipp deshalb: Wenn du mit dem Wohnmobil nach Norwegen reist
Nimm unbedingt mit: •einen Wasserschlauch, •verschiedene AdapterViele Ver- und Entsorgungsstationen sind kostenlos.Oft fehlt dort allerdings genau das:der Schlauch oder der passende Anschluss. Wir waren deshalb mehr als einmal froh, dass Philipp daran gedacht hatte.

Spannende Geschichten unterwegs
Besonders in Erinnerung geblieben ist uns ein älterer Deutscher. Gemeinsam mit seiner Frau besitzt er ein Haus in Norwegen. Die Sommer verbringen die beiden dort. Zwischendurch fahren sie immer wieder für einen Monat nach Deutschland. Den Rest des Jahres verbringen sie auf Gran Canaria.Solche Geschichten faszinieren uns. Mit jeder Reise lernt man Menschen kennen, deren Lebensweg völlig anders aussieht als der eigene. Genau das macht Reisen für uns so wertvoll.

Ist Norwegen wirklich so sauber?
Vor unserer Reise haben wir unzählige Male gehört: Norwegen ist unglaublich sauber. Unser Eindruck? Größtenteils stimmt das.Vor allem in der Natur waren wir oft beeindruckt. Es gibt Orte, an denen kilometerweit kein einziger Müll herumliegt. Gleichzeitig haben wir aber auch das Gegenteil erlebt. Gerade in Sandefjord wirkten manche Bereiche deutlich schmutziger, als wir erwartet hatten. Und zweimal haben wir sogar beobachtet, wie Menschen mit norwegischem Kennzeichen ihren Müll auf einem Parkplatz liegen ließen. Das zeigt für uns vor allem eines: Es sind nicht immer die Touristen. Am Ende gibt es rücksichtslose Menschen wohl überall. Genau wie bei uns in Deutschland.
Was uns sonst noch aufgefallen ist
Viele Norweger fahren Tesla oder andere Elektroautos. Das Internet ist bisher fast überall erstaunlich gut. Es gibt zahlreiche kostenlose Ver- und Entsorgungsstationen. Viele Skipisten wirken im Sommer unglaublich steil, wir fragen uns jedes Mal, wie man dort im Winter überhaupt bremsen soll.Rehe oder Elche haben wir bisher leider noch keine gesehen. Dafür begegnen uns fast täglich freilaufende Schafe.


Unser Alltag unterwegs
Viele denken wahrscheinlich, wir machen jeden Tag Urlaub. Ganz so ist es nicht. Philipp arbeitet ganz normal weiter. Ich nutze die Zeit für meine Weiterbildung, schreibe neue Blogbeiträge, optimiere unsere Website, bilde mich im Bereich SEO weiter und schreibe weiterhin Bewerbungen. Leider gab es bisher wieder einige Absagen.Natürlich ist das manchmal frustrierend. Trotzdem versuche ich, nach vorne zu schauen. Ich bilde mich weiter, arbeite an unserem Blog und halte gleichzeitig die Augen nach neuen Möglichkeiten offen. Vielleicht führt genau dieser Weg irgendwann dorthin, wo wir hinmöchten.

Schweden oder Norwegen?
Diese Frage bekommen wir inzwischen fast täglich gestellt. Und ehrlich gesagt: Sie ist gar nicht so leicht zu beantworten. Norwegen ist spektakulärer. Die Berge.Die Fjorde. Die Wasserfälle. Die Landschaft. All das ist wirklich beeindruckend.Trotzdem schlägt unser Herz im Moment noch ein kleines bisschen mehr für Schweden. Vielleicht liegt es an der Ruhe. Vielleicht an den vielen Naturstellplätzen. Vielleicht daran, dass uns beim Wandern fast jeder freundlich begrüßt hat.Dieses besondere Gefühl können wir schwer beschreiben. Natürlich gibt es auch in Schweden Müll und volle Orte. Genauso wie es in Norwegen wunderschöne ruhige Plätze gibt.Es ist einfach ein anderes Gefühl. Vielleicht ändert sich unsere Meinung am Ende der Reise noch einmal. Im Moment bleibt Schweden aber ganz knapp unser Favorit. Falls du unseren großen Schweden-Rückblick noch nicht gelesen hast, findest du ihn hier.




Unser Fazit nach zwei Wochen
Norwegen hat uns schon jetzt unglaublich viele unvergessliche Momente geschenkt. Wir haben Fjorde bestaunt. Sind durch unzählige Tunnel gefahren. Haben Wasserfälle, Berge und die Nordsee erlebt. Sind Menschen begegnet, deren Geschichten uns inspiriert haben. Und gleichzeitig merken wir, wie entspannt unser Alltag inzwischen geworden ist.Wir schlafen gut. Wir stehen fast jeden Tag an einem anderen Ort. Unser Camper ist längst mehr als nur ein Fahrzeug geworden.Er ist unser Zuhause. Und genau deshalb fühlen sich selbst 1.500 Kilometer irgendwie ganz normal an.
Wie geht es weiter?
Die Reise ist noch lange nicht vorbei. Im nächsten Beitrag nehme ich dich mit zu unseren bisherigen Highlights in Norwegen. Dort zeige ich dir die schönsten Orte, und erzähle, warum Bergen ganz anders war, als wir erwartet hatten. Außerdem wird es am Ende unserer Norwegenreise noch einen ausführlichen Kostenbericht geben, mit allen Ausgaben für Diesel, Fähren, Maut, Stellplätze und unseren gesamten Reisekosten. Den nächsten Norwegen-Beitrag solltest du also auf keinen Fall verpassen.
Danke, dass du unsere Reise begleitest
Wenn du bis hier gelesen hast, möchte ich dir einfach Danke sagen. Danke für deine Zeit. Danke für jeden Kommentar, jede Nachricht und jedes Teilen unserer Beiträge. Es freut mich riesig, dass so viele von euch unsere Reise begleiten.
Und jetzt interessiert mich deine Meinung: Warst du schon einmal in Norwegen? Oder steht das Land noch auf deiner Wunschliste? Ich freue mich wie immer auf deinen Kommentar.





