Finnland war für uns vor dieser Reise ehrlich gesagt ein ziemlich unbeschriebenes Blatt. Es stand auf unserer Route durch Europa, aber intensiv beschäftigt hatten wir uns vorher nicht mit dem Land. Wir hatten keine lange Finnland-Bucket-List und auch kein fertiges Bild davon, was uns dort erwarten würde.
Vielleicht war genau das im Nachhinein ganz gut. Denn inzwischen sind wir mehr als 2.000 Kilometer durch Finnland gefahren und begegnen immer wieder Dingen, bei denen wir denken: Warum haben wir davon eigentlich vorher noch nie gehört?
Öffentliche Plätze, an denen im Sommer Teppiche gewaschen werden. Grillhütten mitten in der Natur, an denen teilweise schon Feuerholz bereitliegt. Trockentoiletten an Wanderwegen. Saunen, die ganz selbstverständlich zum Alltag gehören. Und Rentiere, die im Norden manchmal einfach mitten auf der Straße stehen.
Gleichzeitig haben wir uns unterwegs immer wieder Fragen gestellt: Sind Finnen wirklich so distanziert? Warum gilt Finnland als glücklichstes Land der Welt? Was sollte man als Reisender besser nicht machen? Und wie einfach lässt sich Finnland eigentlich bereisen?
Genau darum geht es hier: Wissenswertes über Finnland, spannende Besonderheiten, praktische Reisetipps und unsere persönlichen Erfahrungen.
Wenn du wissen möchtest, was wir auf unseren ersten über 2.000 Kilometern erlebt haben, findest du hier unseren Beitrag „Finnland mit dem Camper unsere ersten Wochen“.

Inhaltsverzeichnis
- Teppichwaschen als Sommertradition
- Sauna in Finnland: viel mehr als Wellness
- Grillhütten, Feuerholz und Plumpsklos
- Finnland auf einen Blick
- Sind Finnen wirklich so distanziert?
- Warum gelten Finnen als die glücklichsten Menschen der Welt?
- Finnisch, eine Sprache für sich
- Rentiere in Finnland
- Gesundheitssystem in Finnland für Reisende
- Ist Finnland ein zugängliches Reiseziel?
- Was ist ein No-Go in Finnland?
- Wohin sollte man in Finnland reisen?
- Häufige Fragen über Finnland Unser Fazit

Wissenswertes über Finnland: Teppichwaschen gehört zum Sommer
Fangen wir direkt mit einer Sache an, bei der wir unterwegs erst einmal überlegen mussten, was wir da überhaupt vor uns haben.
Große Waschbecken, Trockengestelle und Vorrichtungen zum Auspressen, draußen und teilweise direkt am Wasser. Die Antwort ist ziemlich einfach: Hier werden Teppiche gewaschen.
Solche öffentlichen Teppichwaschplätze heißen auf Finnisch Matonpesupaikka und gehören tatsächlich zur finnischen Sommerkultur.
Dort werden die Teppiche in großen Becken gewaschen, häufig mit traditioneller Kiefernseife. Anschließend kann das Wasser ausgepresst werden und die Teppiche werden zum Trocknen aufgehängt. Was zunächst nach ganz normaler Hausarbeit klingt, hat gleichzeitig etwas Gemeinschaftliches. Menschen kommen zusammen, verbringen Zeit draußen und erledigen nebenbei etwas, das sowieso gemacht werden muss.
Selbst in Helsinki gibt es noch zahlreiche öffentliche Teppichwaschplätze. An modernen Anlagen findet man neben Waschbecken und Trockengestellen teilweise sogar Pressen, mit denen Wasser aus den Teppichen gedrückt werden kann. Wir kannten diese Tradition vorher überhaupt nicht.
Und genau solche kleinen Dinge finde ich auf Reisen besonders spannend. Sehenswürdigkeiten kann man vorher Googeln, aber mit einem öffentlichen Teppichwaschplatz rechnet man eher nicht.

Sauna in Finnland: viel mehr als Wellness
Dass Sauna zu Finnland gehört, wussten wir.
Wie selbstverständlich sie zum Leben gehört, war uns allerdings nicht bewusst.
Bei rund 5,6 Millionen Einwohnern gibt es in Finnland etwa 3,3 Millionen Saunen. Seit 2020 gehört die finnische Saunakultur sogar zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.
Dabei geht es um wesentlich mehr als Schwitzen.
Saunieren ist etwas Gemeinschaftliches. Freunde und Familien kommen zusammen, reden, entspannen und verbringen Zeit miteinander. Das haben wir auch auf unserer Reise gemerkt. Selbst auf einem Campingplatz, auf dem wir gerade einmal 25 Euro für die Nacht bezahlt haben, gehörte eine Sauna zur Ausstattung.
Gerade in privaten Saunen geht es häufig ungezwungener zu, als wir es von großen deutschen Saunalandschaften kennen. Auch ein kühles Getränk kann beim Abkühlen oder Zusammensitzen dazugehören,bei manchen eben auch ein Bier.
Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder Finne beim Saunieren Alkohol trinkt.
Was bei uns häufig als Wellnessangebot gilt, ist hier einfach ein Stück Alltag und Kultur. Wir selbst waren während unserer Reise übrigens in keiner Sauna. Ich vertrage Hitze leider nicht besonders gut und alleine wollte mein Mann dann auch nicht unbedingt.

Wissenswertes über Finnland: Grillhütten, Feuerholz und Plumpsklos
Eine Sache würden wir gerne aus Finnland mit nach Deutschland nehmen:
Wie einfach es einem teilweise gemacht wird, draußen zu sein.
Wir haben inzwischen mehrere Nationalparks und Naturgebiete besucht und dabei immer wieder Grillstellen, Unterstände und Hütten entdeckt. Teilweise liegt das Feuerholz sogar schon bereit.
Und dann wären da noch die Toiletten. An erstaunlich vielen Wanderwegen, Naturgebieten und einigen Rastplätzen sind uns einfache Trockentoiletten oder Plumpsklos begegnet. Luxus? Definitiv nicht. Praktisch mitten in der Natur? Absolut.
Natürlich bedeutet eine vorhandene Feuerstelle nicht, dass man jederzeit einfach ein Feuer anzünden darf. Besonders Waldbrandwarnungen und die Regeln des jeweiligen Schutzgebietes müssen beachtet werden. Die finnische Naturverwaltung informiert für die einzelnen Gebiete über Feuerstellen, Toiletten, Wanderwege und geltende Regeln. Hier findest du weitere Informationen.

Wissenswertes über Finnland auf einen Blick
Nach den ungewöhnlicheren Dingen kommen doch noch ein paar klassische Fakten. Einige davon sind für eine Finnland-Reise schließlich ziemlich wichtig.
Wie dünn Finnland besiedelt ist, merkt man spätestens, wenn man länger durchs Land fährt. Teilweise geht es kilometerweit durch Wald oder auf einer langen Straße ohne dass besonders viel passiert. Wald. See. Wald. Noch mehr Wald. Feld Klingt eintönig? Ist es erstaunlicherweise gar nicht.

Sind Finnen wirklich so distanziert?
Viele Finnen wirken auf uns zunächst eher zurückhaltend. Man wird nicht einfach angesprochen oder in ein Gespräch verwickelt ,den ersten Schritt mussten bisher meistens wir machen. Sobald wir aber selbst ein Gespräch angefangen haben, waren unsere Erfahrungen durchweg positiv. Die Menschen waren freundlich, hilfsbereit und haben uns teilweise sogar Tipps für unsere weitere Reise gegeben. Unsere Erfahrung bisher: Wer darauf wartet, einfach angequatscht zu werden, wartet vielleicht etwas länger. Geht man selbst auf die Menschen zu, erlebt man schnell eine ganz andere Seite. Zurückhaltend bedeutet eben nicht unfreundlich.

Warum gelten Finnen als die glücklichsten Menschen der Welt?
Finnland steht auch im World Happiness Report 2026 wieder an der Spitze. Das bedeutet allerdings nicht, dass hier jeder dauerhaft lachend durch die Straßen läuft.
Entscheidend ist vielmehr, wie Menschen ihre eigene Lebenssituation bewerten. Faktoren wie soziale Unterstützung, Gesundheit, Freiheit bei Lebensentscheidungen und Vertrauen helfen dabei, die Unterschiede zwischen Ländern zu erklären.
Glück bedeutet hier also eher Lebenszufriedenheit als Dauergrinsen.
Wenn wir durch Finnland reisen, können wir zumindest einige Dinge nachvollziehen, die zur Lebensqualität beitragen können: viel Natur, wenig Gedränge, Ruhe und zahlreiche Möglichkeiten, unkompliziert Zeit draußen zu verbringen.
Ob wir deshalb automatisch glücklicher wären, wenn wir hier leben würden?
Das ist natürlich eine ganz andere Frage.

Finnisch, eine Sprache für sich
Finnisch wird wahrscheinlich nicht mehr unsere neue Lieblingssprache. Manche Wörter sehen für uns aus, als hätte beim Schreiben einfach niemand mehr die Leertaste gefunden.
Ein oft genanntes Beispiel für ein besonders langes finnisches Wort hat 61 Buchstaben. Auch Äteritsiputeritsipuolilautatsijänkä ist mit 35 Buchstaben ein ziemlich beeindruckender Ortsname.
Mein Mann versucht gerade tatsächlich, mit einer Lern-App etwas Finnisch zu lernen. Seiner Meinung nach kommt es vor allem darauf an, die Sprache regelmäßig zu nutzen. Ein paar Wörter sitzen inzwischen schon: Hallo, Willkommen und Danke funktionieren. Für ein richtiges Gespräch reicht es aber natürlich noch lange nicht.
Zum Glück kommen wir mit Englisch bisher sehr gut zurecht. Finnland hat außerdem zwei Amtssprachen: Finnisch und Schwedisch. Besonders in Vaasa ist uns Schwedisch immer wieder begegnet, und plötzlich konnten wir zumindest wieder etwas lesen.

Wissenswertes über Finnland: Rentiere gehören im Norden dazu
Wenn wir an unsere ersten Tage in Finnland denken, gehören Rentiere einfach dazu.
Wir haben sie am Straßenrand, auf Parkplätzen und zwischen den Bäumen gesehen. Eines lag sogar ganz entspannt auf unserem Campingplatz.
Und ja: Die sind einfach sooo süß. Habt ihr Rentiere schon einmal über eine Straße rennen sehen, und vor allem gehört? Ihre Hufe klackern auf dem Asphalt teilweise, als hätten sie Hackenschuhe an.
Je weiter wir Richtung Mittel- und Südfinnland gefahren sind, desto weniger Rentiere wurden es.
Im Norden heißt es deshalb beim Autofahren: aufmerksam bleiben und lieber einmal mehr vom Gas gehen. Ein Rentier interessiert schließlich nicht, dass du gerade gerne weiterfahren möchtest.
Gesundheitssystem in Finnland: Was sollten Reisende wissen?
Hoffentlich braucht man es im Urlaub nicht, trotzdem sollte man die Grundlagen kennen.
Wer als gesetzlich versicherter EU-Reisender vorübergehend in Finnland ist, kann mit der Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) medizinisch notwendige Leistungen nach den Bedingungen des finnischen Systems erhalten.
Die EHIC ersetzt allerdings nicht automatisch eine zusätzliche Auslandsreisekrankenversicherung.
Für Notfälle gilt die 112.
Da der tatsächliche Versicherungsschutz individuell unterschiedlich sein kann, sollte man vor einer längeren Reise bei der eigenen Krankenkasse prüfen, welche Leistungen abgedeckt sind.
Ist Finnland ein zugängliches Reiseziel?
Nach unseren bisherigen Erfahrungen: Ja, allerdings ist zugänglich nicht automatisch barrierefrei. Mit dem Camper empfinden wir Finnland bisher als angenehm unkompliziert. Viele Straßen sind gut zu fahren, Einkaufsmöglichkeiten gibt es regelmäßig und Naturgebiete sind häufig gut ausgeschildert.
Besonders positiv überrascht uns die Infrastruktur beim Wandern.
Holzstege, Treppen, markierte Wege, Rastmöglichkeiten, Grillstellen und Trockentoiletten haben wir immer wieder erlebt.
Ein Naturgebiet ist uns besonders in Erinnerung geblieben. Dort waren Übergänge so gestaltet, dass auch Keisy problemlos hin durchkam. Es gab sogar eine hundefreundliche Route. Das fanden wir richtig toll.
Wir hatten aber genauso schmale, steinige und anspruchsvollere Wanderwege.
Wer auf Barrierefreiheit angewiesen ist, sollte deshalb immer die jeweilige Route vorher prüfen.

Was ist ein No-Go in Finnland?
Finnland gibt einem unglaublich viele Möglichkeiten, Natur zu erleben.
Und genau deshalb sollte man respektvoll damit umgehen. Für uns gehören dazu ein paar ziemlich selbstverständliche Dinge:
- keinen Müll in der Natur zurücklassen
- Tiere nicht für ein Foto bedrängen oder verfolgen
- Privatgrundstücke und Privatsphäre respektieren
- Regeln in Nationalparks und Naturschutzgebieten beachten
- bereitgestelltes Feuerholz nicht verschwenden Waldbrandwarnungen ernst nehmen
- nicht davon ausgehen, dass das Jedermannsrecht bedeutet, überall alles machen zu dürfen
Gerade das finnische Jedermannsrecht gibt Menschen viele Freiheiten in der Natur.
Freiheit funktioniert aber nur, wenn man verantwortungsvoll damit umgeht.
Wohin sollte man in Finnland reisen?
Diese Frage lässt sich eigentlich gar nicht mit einem einzigen Ort beantworten. Es kommt darauf an, was für ein Reisetyp du bist.
Natur oder Stadt? Wald, See oder Meer? Wandern oder historische Orte entdecken? Mit Kindern, Hund oder ohne? Hotel, Ferienwohnung oder Camper? Je nachdem kann eine Finnland-Reise komplett unterschiedlich aussehen.
Wer gerne draußen unterwegs ist, sollte sich die vielen Nationalparks und Naturreservate genauer ansehen. Wer Städte und Geschichte mag, findet aber genauso schöne historische Orte und Viertel mit alten Holzhäusern.
Ich persönlich mag genau diese Mischung. Nationalparks, Naturreservate, Wanderwege und Sandstrände am Meer gefallen mir genauso wie alte Holzhäuser und historische Orte. Rauma und Verla fand ich zum
Beispiel richtig schön.
Deshalb möchte ich hier auch gar nicht pauschal sagen: Diesen einen Ort musst du in Finnland gesehen haben. Im nächsten Beitrag zeige ich euch stattdessen unsere schönsten Orte in Finnland und welche davon uns persönlich besonders gefallen haben. Außerdem schauen wir uns dann die Kosten unserer Finnland-Reise genauer an: Was haben wir ausgegeben und wie teuer war Finnland für uns wirklich?
Bis dahin gibt es aber noch ein paar Dinge, die du vor einer Finnland-Reise wissen solltest.
Wer seine Reise genauer planen oder weitere Regionen entdecken möchte, findet auf der offiziellen Tourismusseite Visit Finland zusätzliche Informationen zu Reisezielen, Natur und Aktivitäten in Finnland.

Häufige Fragen über Finnland

Unser Fazit: Je weniger wir über Finnland wussten, desto mehr gab es zu entdecken
Vielleicht war es gar nicht schlecht, dass wir vor dieser Reise kaum etwas über Finnland wussten.
Wir hatten kein fertiges Bild im Kopf und keine riesige Liste mit Sehenswürdigkeiten, die wir unbedingt abhaken mussten. Wir sind einfach über die Grenze gefahren und haben angefangen, das Land kennenzulernen.
Und inzwischen sind es gerade die kleinen Dinge, die hängen bleiben.
Das Klackern der Rentiere auf dem Asphalt. Eine Grillhütte mitten im Wald. Eine Sauna auf einem Campingplatz. Und natürlich die Erkenntnis, dass Teppichwaschen tatsächlich zu einer finnischen Sommertradition gehört.
Nicht alles gefällt uns. Das Wetter dürfte gerne etwas weniger Regen produzieren und manche Orte haben uns deutlich mehr begeistert als andere. Aber genau deshalb reisen wir. Nicht, um hinterher zu behaupten, überall wäre alles perfekt gewesen, sondern um herauszufinden, wie sich ein Land wirklich anfühlt, wenn man länger darin unterwegs ist.
Und Finnland hat uns definitiv überrascht.
Wenn du wissen möchtest, wie unsere Reise durch das Land begonnen hat, findest du hier unsere ersten Wochen mit dem Camper in Finnland.
Als Nächstes schauen wir uns dann an, welche Orte uns in Finnland besonders gefallen haben und was uns die Reise durch Finnland gekostet hat.
Die schönsten Orte in Finnland & unsere Kosten
Den Link ergänze ich, sobald der Beitrag online ist. 😉










Danke, dass du mit uns reist
Wenn du bis hierher gelesen hast, möchte ich dir wirklich Danke sagen.
Denn Zeit ist etwas Wertvolles und ganz sicher nicht selbstverständlich. Umso mehr bedeutet es mir, dass du einen Teil davon hier auf meinem Blog verbringst, unsere Reise begleitest und dir unsere Erfahrungen durchliest.
Hinter diesen Beiträgen stecken unsere echten Erlebnisse, viele Erinnerungen und natürlich auch einiges an Arbeit. Wenn dir davon etwas bei deiner eigenen Reise hilft, du einen neuen Ort entdeckst oder einfach für ein paar Minuten mit uns unterwegs bist, dann freut mich das wirklich sehr.
Wenn du selbst schon in Finnland warst, etwas ergänzen möchtest oder eine Frage hast, schreib mir gerne einen Kommentar. Ich freue mich über jeden Austausch.
Danke, dass du hier bist und ein Stück mit uns reist.
Bis zum nächsten Beitrag!
